Samuel Shems "House of God": Ärzte an der Grenze

21. September 2017, 12:00

Der Roman aus dem Jahr 1978, neu aufbereitet von Norbert Schaeffer, bietet eine Analyse des Gesundheitssystems, bei der keine Silbe veraltet ist

Dies ist kein Audiobuch, das Sie in der Spitalsbibliothek ausleihen sollten. Denn House of God von Samuel Shem löste, als es 1978 erschien, einen großen Skandal aus. Erst 1996 erschien die deutsche Übersetzung, und da war das Spital als Ort trivialdramatischer Lebensrettung längstens schon fixiert, später ergänzt durch skurrile Demigods wie Dr. House.

House of God dagegen ist eine Satire. Und schildert das Wirken angehender Internisten daher, wie es war und ist: überforderte Jungmediziner, zynische Mentoren, Patienten, die schleunigst loszuwerden sind, überflüssige Anwendungen. Samuel Shem ist das Pseudonym des amerikanischen Facharztes Stephen Bergman, der, Jahrgang 1944, einst selbst Assistenzarzt an einem Spital war, später Professor für Psychiatrie an der Harvard University und in New York wurde.

Norbert Schaeffer arbeitete 2002 geschickt den hierzulande kaum mehr bekannten Roman für den MDR zu einem Mammut-Hörspiel (36 Rollen!) um. Eine Analyse des Gesundheitswesens, bei der keine Silbe veraltet ist, ganz im Gegenteil. (Alexander Kluy, Album, 21.9.2017)

Samuel Shem, "House of God". € 14,99 / 125 min. Der Audio- Verlag, Berlin 2017