Foto: Ryan Yasin / Petit Pli

Londoner erfand Baby-Kleidung, die mitwächst

16. September 2017, 09:00

Ryan Yasins Ziel ist, unnötigen Abfall aus Bekleidungsindustrie zu reduzieren – Gewand kann von vierten bis 36. Lebensmonat getragen werden

Wien – Mit einem Jahr ist ein Kind durchschnittlich 25 Zentimeter größer als am Tag der Geburt. Bis zum dritten Lebensjahr kommen etwa 40 Zentimeter dazu. Im Kindergarten und in der Volksschule beträgt das Wachstum pro Jahr bis zu sieben Zentimeter. Besonders im ersten Lebensjahr kommt man mit dem Gewandkaufen kaum nach. Passt das Baby endlich gut in den Body, spannt er eine Woche später schon wieder beim Verschließen. So richtig gut sitzt die Babybekleidung nur für einen sehr kurzen Zeitraum. In den ersten zwei Lebensjahren wachsen Kinder rund sieben Bekleidungsgrößen.

Das schlägt sich nicht nur auf die Geldbörse nieder, sondern verbraucht auch viele Ressourcen. Noch tragbares Gewand muss aussortiert werden. Ausgerechnet ein Luftfahrttechnikstudent hat sich nun dieser Herausforderung angenommen. Ryan Yasin entwirft Kinderbekleidung aus einem strapazierfähigen Faltenstoff, der "mitwächst". Inspiriert wurde der Londoner dabei von Origami, der japanischen Kunst des Papierfaltens.

Sieben Bekleidungsgrößen

Dafür erhielt der 24-Jährige nun den James Dyson Award für junge Designer. Yasins Ziel ist es vor allem, den unnötigen Abfall aus der Bekleidungsindustrie zu reduzieren. Die Idee entstand aus einer Frustration heraus: Die Bekleidung, die er seinen kleinen Nichten und Neffen schenkte, passte nicht lange. Laut einer Erhebung der britischen Versicherungsgesellschaft Aviva geben Eltern bis zum dritten Lebensjahr ihres Nachwuchses etwa 2.200 Euro für Bekleidung aus.

Auch die Kosten für die Umwelt sind bei diesem Verschleiß groß. Viele Menschen wollen nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern auch wegen schlechter Arbeitsbedingungen und hohem Ressourcenverbrauch in der Textilindustrie weniger Gewand kaufen. Bei ihren Kinder bleibt ihnen nichts anderes übrig, als häufig die Garderobe zu erneuern.

Stoff wie Ziehharmonika

Eine Lösung fand Ryan Yasin, als er für den Abschluss seines Luftfahrttechnikstudiums lernte. Er fand einen Stoff, der leicht, widerstandsfähig, wasserdicht und recycelbar ist und der – ganz wichtig für Kinderbekleidung – in die Waschmaschine gegeben werden kann. Die gefaltete Optik erinnert an eine Ziehharmonika. Das Material wächst bei einer durchschnittlichen Größe vom vierten bis zum 36. Monat mit. Yasin arbeitet dafür mit einem sogenannten auxetischen Material, das sich bei der Streckung quer zur Streckrichtung ausdehnt. Dieses Phänomen wird bereits in der Medizin eingesetzt, etwa bei Stents oder biomedizinischen Implantaten.

Das Gewand ist als Überbekleidung gedacht und sollte aus Komfortgründen über natürlichen Materialien getragen werden, informiert der Hersteller. Laut dem Erfinder hat ein großer britischer Einzelhändler bereits Interesse signalisiert, die Kleidung zu vertreiben. (Julia Schilly, 16.9.2017)