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McLaren ab 2018 mit Renault-Motoren

15. September 2017, 16:08

Ende der Zusammenarbeit mit Honda nun offiziell – Toro Rosso wechselt dagegen zu Japanern – Red-Bull-Teamchef Horner kündigt neuen Motoren-Hersteller an

Singapur – Wie von Kundigen bereits lange erwartet, trennt sich der britische Formel-1-Traditionsrennstall McLaren nach einem dreijährigen Missverständnis von Motorenpartner Honda, fährt ab 2018 mit Renault-Aggregaten. Damit wird aller Voraussicht nach auch Fernando Alonso im Team gehalten werden können.

"Unsere Partnerschaft hat nicht so floriert, wie wir uns das alle gewünscht hatten. Es liegt sicherlich nicht am mangelnden Einsatz von McLaren oder Honda, aber es ist Zeit, in unterschiedliche Richtungen zu gehen", sagte McLaren-Boss Zak Brown im Vorfeld des Großen Preises von Singapur (Sonntag, 14 Uhr/RTL und Sky) zur Trennung von den Japanern. Vorausgegangen waren dem Deal wochenlange Verhandlungen, die noch einige weitere Verschiebungen in der Serie zur Folge haben.

Honda mit fliegendem Wechsel zu Toro Rosso

Weil Renault sich als Motorenhersteller nicht in der Lage sieht, neben dem eigenen Werksteam, Red Bull und nun McLaren einen vierten Rennstall zu beliefern, trennen sich die Franzosen von Toro Rosso. Das Red-Bull-Tochterteam wechselt daher zu Honda, der Hersteller konnte so auch im Interesse der Formel-1-Bosse in der Rennserie gehalten werden.

Aston Martin ante portas?

Renault soll laut Medienberichten nach Auslaufen des Vertrages Ende 2018 sein Engagement im Red-Bull-Rennstall ebenfalls einstellen. Dessen Teamchef Christian Horner deutete in Singapur an, dass womöglich ein neuer Hersteller einsteigen könnte. Dem Sender Sky Sports sagte er, dass recht bald eine weitere Bekanntgabe zu erwarten sei. Und es weder um Porsche, Honda oder Renault gehen würde.

Es dürfte sich um Aston Martin handeln. Mit dieser Marke arbeitet Red Bull in anderen Bereichen bereits zusammen.

Fixiert wurde nun auch, dass Toro Rosso den Spanier Carlos Sainz jr. an Renault abgibt. Der 23-Jährige wird damit Teamkollege des Deutschen Nico Hülkenberg, bleibt aber Teil der Red-Bull-Familie. "Ich bin sehr glücklich, zu Renault zu wechseln. Ich freue mich schon, mit allen zu arbeiten und an der Seite von Nico zu fahren", sagte Sainz zu dem Transfer. Jolyon Palmer muss Renault dafür verlassen. Alonso hatte seinen Verbleib bei McLaren noch am Donnerstag an die Entscheidung McLarens geknüpft, aber auch betont, "loyal" zu seinem Team zu stehen.

Ehemaliges Traum-Paar harmonierte nicht mehr

Für McLaren endet mit dem spektakulären Geschacher eines der größten Missverständnisse der 51-jährigen Teamgeschichte. 2015 waren die Briten mit Honda angetreten, die einstige Traumehe aus den späten 1980er- und frühen 1990er-Jahren wieder aufblühen zu lassen. Damals hatten die Starfahrer Ayrton Senna und Alain Prost dem Duo jeweils vier Konstrukteurs- und Fahrertitel beschert. Ausgerechnet Prost führte als Berater für Renault nun die Verhandlungen an.

Mit den Hybrid-Motoren war McLaren-Honda allerdings die Lachnummer der Formel 1. In drei Jahren gelang dem Rennstall kein Sieg, derzeit reicht es mit elf Punkten nur zum vorletzten Platz in der Teamwertung. "McLaren hat immer dafür gearbeitet, langjährige Partnerschaften mit seinen technischen Zulieferern zu schließen", sagte Brown weiter: "Ich bin überzeugt, dass wir einen großen Wert für Renault liefern können."

Verbindung für drei Jahre

Trotz der großen Traditionen beider Unternehmen – McLaren fährt seit 1966 ununterbrochen in der Formel 1, Renault ist seit 1977 in unterschiedlichen Art und Weisen in der Königsklasse vertreten – ist es die erste Zusammenarbeit der beiden. Sie gilt zunächst für drei Jahre. "McLaren-Renault ist eine Partnerschaft für Siege", heißt es in der Pressemitteilung vollmundig.

Nach der fünfjährigen Partnerschaft mit Honda (1988 bis 1992) waren ab 1995 die McLaren-Piloten 20 Jahre lang mit Mercedes im Rücken gefahren. In dieser Zeit gewannen Mika Häkkinen (1998 und 1999) sowie Lewis Hamilton (2008) den Fahrer-Titel, 1998 feierte der Rennstall zudem seine letzte Kontrukteurs-WM. (APA, Reuters – 15.9. 2017)