Foto: http://www.istockphoto.com/Meinzahn

Kataster soll Klarheit für Wiener Dachausbauten schaffen

16. September 2017, 09:56

Insgesamt 1400 Dächer wurden für Studie erfasst, 70 Prozent davon sind bereits ausgebaut

Dachgeschoßausbauten sorgen oft für Konflikte zwischen Hauseigentümern und Bewohnern. Um diese künftig zu vermeiden, wurde auf Initiative von Stadt, Bundeskanzleramt und Bundesdenkmalamt in den letzten zwei Jahren ein Dachkataster vom ersten Bezirk erstellt.

Dafür wurden 1400 Objekte der Wiener Innenstadt in Baualter, Konstruktion und Ausbauzustand erfasst. 180 davon wurden von einem Projektteam – bestehend unter anderem aus Experten des Bundesdenkmalamtes und der Boku – auch begangen. Wien besitze nun den einzigen flächendeckenden Dachkataster einer geschützten Altstadt in Europa, hieß es bei einem Pressegespräch am Freitag. Die Projektkosten lagen bei 150.000 Euro.

Historische Ausbauten

Neun verschiedene Dachformen wurden in der City gezählt. Einen besonderen Bauboom habe Wien im Barock erlebt, erklärte Studienautorin Antje Liebich vom Bundesdenkmalamt. Bei den Begehungen sei auch auf Details wie in die Balken eingeritzte Zeichen als Zählsysteme der Zimmerleute oder die verwendeten Holzarten als Information über die Handelsgeschichte der Stadt geachtet worden.

Etwa 70 Prozent der Dachstühle im ersten Bezirk sind bereits ausgebaut, so Liebich, wobei darunter auch "ein paar" historische Ausbauten seien, teils schon aus dem Barock.

Rückschlüsse darüber, wie groß das Potenzial im ersten Bezirk in puncto Dachgeschoßausbau noch ist, ließen sich nur anhand des Katasters keine treffen, sagte Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ): "Man muss das von Fall zu Fall prüfen, etwa was die Statik betrifft." Mit dem farbig kartierten Objektplan sollen Bauwerber aber künftig schneller Klarheit darüber gewinnen, ob ein Dachgeschoßausbau überhaupt möglich ist. Im Schnitt gebe es in Wien jährlich 500 bis 700 derartige Bewilligungen.

Öffentlich zugänglich

Ziel sei, das historische Stadtbild zu erhalten, aber "dort, wo es das Stadtbild nicht beeinträchtigt", den Ausbau zu ermöglichen, so Ludwig. Es sei wichtig, die teils jahrhundertealten Holzkonstruktionen – der älteste noch erhaltene Dachstuhl ist beim Alten Rathaus und stammt aus 1299 – auch der Bevölkerung zugänglich zu machen, meinte Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) bei der Präsentation.

Bei solchen Führungen werde das Bundesdenkmalamt immer "überrannt", so Liebich: "Wir können nicht alle ins Dach bringen, aber wir können die Dächer zu allen bringen." Bis dahin dauert es noch: Die Studie über die Dächer des ersten Bezirks soll erst 2018 veröffentlicht werden. Die Dächer weiterer Grätzel, die an den ersten Bezirk angrenzen, könnten folgen. (zof, 15.9.2017)