Foto: Christian Herzenberger

"Richard III.": Moralisch mangelhafte Machtgeilheit

15. September 2017, 18:55

Shakespeares Drama wird derzeit im Theater Phönix rasant gespielt. Inszeniert hat den blutigen Thronstreit mit einigen aktuellen Anmerkungen Gernot Plass

Linz – Als Buckel hat William Shakespeare seinem Antihelden dessen Makel auf den Rücken gesetzt. Dazu trägt Richard eine verkümmerte Hand, überhaupt die ganze Physiognomie hinkt. So wie die Psyche des Machtlüsternen. Um in der Thronfolge vorzurücken, muss er in den Lauf der Dinge eingreifen. Dass sie sich selbst regeln, darauf ist kein Verlass. Fake-News streut Julian Loidl deshalb in des königlichen Sehers Kotschau. Nebst andrer Intrige.

Richard III. ist ein recht blutiger Thronstreit. Denn "ärgerlich zahlreich ist die Verwandtschaft", klagt Loidl in der Titelrolle im Theater Phönix in Linz. Acht Schauspieler in doppelt so vielen Rollen dressiert Gernot Plass (Leiter des Theaters in der Gumpendorfer Straße) dort. Alexandra Burgstaller hat ihnen eine blutrote Treppe gebaut, die an einer Stelle bis hoch zum umkämpften Sitz führt.

Flott und komisch

Deren eigentlicher Clou aber ist ein fahrender Vorhang: Ebenfalls blutbesudelt streift und bauscht er sich, wird gen Ende zum Traumschleier, von hinter dem die Gemetzelten quälend zum Auftraggeber der Morde sprechen. Das ist sinnig und schön gemacht.

Wie so vieles an der zweistündigen Inszenierung, deren Handgriffe sitzen. Flott lässt Plass sie, ohne gröber aufhaltende Kümmernis, abspielen – getrieben wie Richards Innenleben. Manisch-ironisch hat er auch den Urtext überschrieben: Donald Trump, ein paar Popkulturreferenzen und den Politsprech der Flüchtlings- und Wirtschaftskrise probiert er aus. Das glückt zumeist, ist oft komisch, selten zu gut gemeint.

Das Ensemble (nur stellvertretend erwähnt: Anna Maria Eder als altersschwach röchelnder König!) brilliert seinerseits flott und wendig. Auch, weil manch Charakter Doppelgesichtigkeit erfordert. Akustisch sorgt Agententhrillersound für kühle Spannung. Bestens passend dazu die Kostümierung in Anzügen und Unterhemden. Rundum gelungen. (Michael Wurmitzer, 16.9.2017)

Bis 22. 10., Theater Phönix