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FPÖ-Wahlkampfauftakt in Wels: Blaue Freunde und die Helden von heute

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16. September 2017, 12:44

Strache: "Islamisierung Österreichs stoppen" – Hofer möchte immer noch Bundespräsident werden

Linz – Es ist eine Stadt mit Symbolkraft. In Wels hat man nach Jahrzehnten unter sozialistischer Führung 2015 den Bürgermeistersessel erobert. Und seitdem die blaue Fahne am Rathaus gehisst ist, ist Wels endgültig zur Wahlkampfzone der FPÖ geworden. Fast logisch also, dass die Freiheitlichen am Samstag am Welser Messegelände offiziell in den Intensivwahlkampf starteten.

Freie Platzwahl

Aus blauer Sicht strömten zwar rund 7000 Anhänger in die große Messehalle, auffallend war dennoch, dass die Reihen bei so mancher FPÖ-Veranstaltung schon einmal dichter gedrängt waren.

Nach der obligatorischen Musikumrahmung durch die John Otti-Band lag es dann an Oberösterreichs FPÖ-Chef Manfred Haimbuchner, die Rolle des blauen Einpeitschers entsprechend zu füllen. Der als "heimlicher Landeshauptmann" angekündigte Haimbuchner konzentrierte sich dann sogleich auf das blaue Schwerpunktthema Migration: "Österreichisches Steuergeld wird abgesaugt für Menschen, die noch nie einen Cent in das System eingezahlt haben. Und nie was einzahlen werden – aber die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen sie."

SPÖ-Chef Christian Kern und ÖVP-Chef Sebastian Kurz seien beim Thema Migration "sehr spät aufgewacht." Haimbuchner: "Aber der Zug ist abgefahren. Was Kern ja eigentlich von der ÖBB noch gewohnt sein muss."

Hofer: "Kennt ihr mich noch?"

Nach der Präsentation der blauen Kandidaten durfte dann Falco-Imitator Michael Simoner die "Helden von heute" besingen, ehe Norbert Hofer die blaue Bühne erklomm. Die vorsichtige Frage "Kennt ihr mich noch?" wurde mit einem kräftigen Applaus eindeutig bejaht. Hofer streute seinem Bundesparteichef blaue Rosen: "Ich bin so stolz, lieber Heinz-Christian, an deiner Seite stehen zu dürfen. Du trägst das Feuer in dir, das alle begeistert. Und dazu ist in den letzten Woche noch eine fröhliche Gelassenheit gekommen." Und Hofer kündigte auch an, bei der nächsten Bundespräsidentenwahl wieder zu kandidieren. Weil nur bei den Freiheitlichen gebe es noch echte Freunde: "Wir stehen zueinander. Die wichtigsten Eigenschaften von uns Freiheitlichen sind Ehrlichkeit und Treue."

Beim Thema Migration blieb auch Hofer erwartungsmäß ganz auf Parteilinie: "Österreich ist kein Asylland."

Rote-schwarze Abrechnung

Zu den Klängen von "Jump" von Van Halen wurde dann mit Heinz-Christian Strache der Mann, "der die Fairness-Krise lösen wird", auf die Bühne geholt. Dieser legte sogleich den am Freitag bei einer Dreierkonfrontation in Linz noch übergestreiften Schafspelz ab – und setzte gewohnt scharf zur Abrechnung mit Rot-schwarz an: "Wir Freiheitlichen haben Problementwicklungen immer rechtzeitig erkannt, aber da hat man uns nicht ernst genommen und uns als Hetzer diffamiert." Man habe nicht auf ihn gehört, als er damals gesagt habe, Österreich müsse die Grenzen schützen. Strache: "Wir haben Krisen an allen Ecken und Enden. Und Kern und Kurz sind Blitzkneisser, sie kommen erst kurz vor der Wahl drauf, dass wir recht haben."

Wer heute fleißig arbeite, werde in Österreich bestraft: "Mit hohen Steuern. Eine Umverteilung von den Fleißigen hin zu einem rot-schwarzen Verwaltungsspeck. Kern ist ein Kanzler, der sich nie einer demokratischen Wahl gestellt hat, aber am 15. Oktober demokratisch abgewählt wird."

Blaue Formulare

Doch auch die ÖVP kommt dem blauen Watschentanz nicht aus. Strache: "Der 'Shorty' übernimmt jetzt die freiheitlichen Themen und gesteht damit ein, dass er in den letzten Jahren falsch gelegen ist. Der ist ein Fan von mir geworden. Ich wollte ihm schon ein Mitgliedsformular geben."

Die Farbe sei zwar neu: "Aber es ist und bleibt die alte ÖVP. Hinter dem Türkis wächst schon wieder das schwarze Unkraut." Kurz hätte keinerlei Glaubwürdigkeit: "Der Basti ist auf dem Schoß der Frau Merkel gesessen und hat die Willkommenskultur bejubelt. Der hat doch dem Islam den roten Teppich ausgerollt." Die FPÖ werde hingegen "die Islamisierung Österreichs stoppen". Strache: "Wem das Kreuz in der Klasse nicht gefällt, der soll besser heute als morgen unser Land verlassen."

Abseits der Migrationsfrage spricht sich der FPÖ-Chef dann noch für einen Mindestlohn, eine Steuerentlastung und wiederholt gegen eine Zwangsmitgliedschaft bei den Kammern aus. (Markus Rohrhofer, 16.9. 2017)