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Mick Jagger: Ein Millionär geht auf die Barrikaden

Kopf des Tages |
16. September 2017, 12:38

Die Rolling Stones rocken am Samstag in Spielberg

Mick Jagger ist am 26. Juli 74 Jahre alt geworden. Einen Tag später veröffentlichte der vor mehr als 50 Jahren zum Inbegriff des Rocksängers gewordene Mann aus dem Londoner Vorort Dartford wieder einmal Solomaterial.

Es sind zwei beinharte Protestsongs geworden, die ein bisschen funky, ein bisschen bluesig und ein bisschen altvaterisch daherkommen. Es klingt ungefähr so, wie sich in den 1980er-Jahren ein Mann in der Midlife- Crisis vorstellte, dass es klingen muss, wenn in der Disco zu Rockmusik getanzt wird. Zum Beispiel gibt es da ein Lied von den Rolling Stones von 1983, es heißt Undercover Of The Night.

Es geht um den Brexit

In den aktuellen Variationen namens Get A Grip und England Lost beschäftigt sich Jagger, der übrigens offiziell mit seinem Konzern Rolling Stones in den ausschließlich für superreiche ausländische Kundschaft steuerfreundlichen Niederlanden in einem Postfach gleich neben Ikea, U2 oder Google hauptgemeldet ist, mit den wirklich großen Themen. Was halt in einem vor dem Fiskus flüchtenden britischen Multimillionär so umgeht.

Es geht um den Brexit und den sozialen, politischen wie wirtschaftlichen Niedergang seiner geliebten Heimat – und die Weltlage im Allgemeinen: "I went to see England but England lost / I went round the back but they said piss off."

Ja, es schaut schlecht aus: "Chaos, crisis / Instability, ISIS." Doch die Einwanderungsproblematik und dass die Leute so viel Fastfood essen sowie der schwinden- de gesellschaftliche Zusammenhalt sind halt schon auch ein Problem: "Everybody's stuffing their pockets / Everybody's on the take / The news is all fake / Let them eat chicken / Let them eat cake."

400 Millionen Euro

Die britische Presse jedenfalls nahm die neue Musik des 2003 von Prince Charles zum Ritter geschlagenen Mannes mit einem Privatvermögen von geschätzten 400 Millionen Euro zumindest verstört, oder sagen wir nicht amüsiert, auf. Kennen Sie den Effekt, wenn man Wasser in eine heiße Pfanne Öl gießt?

Beim Konzert der Stones diesen Samstag im steirischen Spielberg geht die Gefahr, dass dieses Material zum Einsatz kommt, allerdings gegen null. Eher wimst ihm Kollege Richards eine mit der Gitarre. Mit Sympathy For The Devil oder Gimme Shelter und Street Fighting Man hat man in den 1960er-Jahren besseren und ewig haltbaren Stoff geschrieben. Isis war damals allerdings noch ein aus der ägyptischen Mythologie stammender weiblicher Vorname. (Christian Schachinger, 16.9.2017)