Foto: Deen van Meer

"I Am From Austria"-Musical: Küsschen in der Liebestorte

17. September 2017, 17:13

Um die Hits von Rainhard Fendrich wurde im Raimund-Theater eine Liebesgeschichte gebaut, die handwerklich tadellos wirkt, aber nach der Pause auch mit ein paar Längen kämpft

Wien – Ein Greatest-Hits-Album zu einem Jukebox-Musical zu verwursten gleicht einer heiklen Denksportaufgabe. Wird sie unelegant gelöst, muss sie hoffen, der Rezipient würde seine Gehirnwindungen an der Garderobe abgeben, um Genuss zu verspüren. Einst schien dies beim Queen-Musical zu geschehen, das im Raimund-Theater als We Will Rock You einen Gitarrengott anbeten wollte.

Klappt die Vermählung von Hit und Geschichte, kommt hingegen ein flottes Boulevardstück wie Mamma Mia! zustande (Abba-Hits). Und zweifellos ist I Am From Austria dem Abba-Konstrukt näher als der Queen-Unterforderung. Titus Hoffmann und Vereinigte-Bühnen-Intendant Christian Struppeck bastelten ein Buch, das keinen Konstruktionsfehler aufweist.

In der Regie von Andreas Gergen treten Längen zwar nach einem handwerklich fulminanten ersten Teil auf. Aber auch manch absurd konstruierte Storywendung (wohl dem unterzubringenden Song zu Liebe geschuldet) wird zur ulkigen Pointe. Das Groteske versöhnt sich mit dem Sentimentalen wie dem Schrillen und wird so zum Element einer Stilbalance, die das neue Stück vor Abgründen bewahrt.

Vom Karrieretief

An den Film Notting Hill angelehnt (Weltstar verguckt sich in Buchhändler), führt das Musical Herrn Josi, den Juniorchef des Hotels Edler, mit der zum Opernball anreisenden Hollywood-Diva Emma Carter zusammen (tadellos, mitunter etwas herb im Klang: Iréna Flury). Sie, die einst das Alpenland verließ, ist im Karrieretief und soll schlagzeilenträchtig die Verlobung mit Fußballer Pablo (Fabio Diso) verkünden. So der Managerwunsch (glaubhaft ruppig: Martin Bermoser).

In einem Akt der Selbstbefreiung landet die Diva aber mit Josi zunächst im Kühlraum, in dem die Edler-Torten aufbewahrt werden, die auch singen können. Mitunter fliegt sie auch im Hubschrauber Richtung Hüttenzauber und erleidet neben einem Gipfelkreuz einen Anfall von Heimatliebe. Alle Wege führen schließlich aber zum Opernball, bei dem sich Fußballgott Pablo gottlob als heiratsunwillig, da mit einem Mann liiert, zeigt. Der Liebe zwischen Star und Hotelier steht also nichts mehr im Wege – außer vielleicht das titelgebende Lied I am from Austria. Josi (souverän: Lukas Perman) und Emma schmachten einander mit diesem Refrain an, was doch als unfreiwillig komische Anwendung dieses so oft missbrauchten Liedes wirkt.

Historische Pappkameraden

Liebeszeugen sind jedenfalls historische und aktuelle Gestalten: Als Pappkameraden grüßen auf dem Ball Falco, Arnie und Doktor Freud, um nur einige zu nennen. Mit dabei auch die reiferen Besitzer des Hotels Edler, das als riesige Torte angelegt ist (Bühne: Stephan Plattes). Es sind dies Romy (sympathisch: Elisabeth Engstler) und Wolfgang Edler (ausgezeichnet: Andreas Steppan). Zwischen Macho Macho und Nix is Fix wird auch Dolores Schmidinger als Chefconcierge zum Running Gag, der in die Choreografien (Kim Duddy) eingebunden wird.

Auch die Arrangements von Michael Reed, die die Hits verbinden, ermöglichen eine flotte Gangart. Das Orchester spielte souverän wie immer (Leitung Michael Römer). Müsste alles gut laufen. (Ljubisa Tosic, 17.9.2017)