Foto: Reuters/Bobby Yip

Studie enthüllt, wer am meisten Vermögen im Ausland bunkert

18. September 2017, 07:07

Die arabischen Staaten, Venezuela und Russland sind Spitzenreiter. Nur ein EU-Land mischt vorne mit

Wien – Die Vielzahl an Enthüllungen hat in den letzten Jahren verdeutlich: Viele Superreiche horten ihr Vermögen – legal oder illegal – im Ausland. Auch im Hinblick auf die Volumina, die in diversen Steueroasen gebunkert werden, gibt es diverseste Schätzungen. Nun konnte ein Forscherteam vom National Bureau of Economic Research (NBER) in Cambridge, Massachusetts erstmals nachzeichnen, woher die größten Finanzmittel stammen. Ein Team rund um den Verteilungsexperten Gabriel Zucman hat dabei die Angaben von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) über die Einlagen in Ländern ausgewertet, die von Personen mit Wohnsitz in anderen Staaten stammen.

Die Statistiken der BIZ, die auch als Bank der Notenbanken bezeichnet wird, lagen bisher nur in aggregierter Form vor. Man wusste zwar, wie viel Ausländer beispielsweise in Singapur angelegt haben, nicht aber, welche Vermögen US-Amerikanern oder Chinesen zuzurechnen sind. Aus den neuen Daten hat das NBER-Team errechnet, wie hoch die grenzüberschreitend verwalteten Summen sind und wer sie hält.

Vereinigte Emirate an der Spitze

Insgesamt kommen die Experten zu dem Schluss, dass das Offshore-Vermögen bei rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung liegt (untersucht wurden Länder mit einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als 200 Mrd. Dollar, Österreichs Wert liegt bei 386 Mrd. Dollar). Besonders die oberen Ausreißer sind imposant. Griechen und Argentinier bunkern fast 40 Prozent der Wirtschaftsleistung im Ausland, Russen fast 50 Prozent. Über dieser Grenze liegen laut Papier Saudi-Arabien, Venezuela und die Vereinigten Arabischen Emirate. Wobei letzteres Land auf einen Wert von mehr als 70 Prozent des BIP kommt.

Eine eindeutige Erklärung für die Spitzenreiter ist nicht leicht zu finden. Eine Gemeinsamkeit für die "Internationalisierung" der Finanzmittel dürften frühere oder immer noch existierende autoritäre Regime sein, die eine Bedrohung für große Vermögen darstellen können. Allerdings sind mit Frankreich und Großbritannien auch alte Demokratien unter den Ländern, die vergleichsweise hohe Finanzmittel offshore halten.

Steuerhöhe kein Faktor

Auch die Steuerhöhe zeigt kein klares Bild, wie die Gruppe von Staaten mit geringen ausländischen Vermögen zeigt. Während der Fiskus in Dänemark und Norwegen die Substanz stark anzapft, sind die Abgaben diesbezüglich in Südkorea und Japan gering. Österreich, wo es gar keine Vermögenssteuer gibt, liegt etwas unter dem Durchschnittswert von zehn Prozent Auslandsvermögen.

Die Forscher räumen ein, dass die Daten fehleranfällig sein könnten, weil die BIZ-Zahlen auf Einlagen basieren und keine Anleihen-, Aktien- und andere Vermögen enthalten. Zudem werden Billionen über Briefkastenfirmen in Steueroasen gehalten, deren wirtschaftliche Eigentümer im Verborgenen bleiben. Für beide Unwägbarkeiten haben Zucman & Co Werte geschätzt. Ein Abgleich mit den Ergebnissen des Informationslecks Panama Papers zeige eine große Übereinstimmung mit den Annahmen, heißt es.

Fokus auf Superreiche

In einem zweiten Schritt geht die neue Arbeit auf das schmale Segment der Superreichen ein, weil deren Vermögenszuwachs zu einem großen Teil für die wachsende Ungleichheit in den letzten Jahrzehnten verantwortlich ist. Konkret werden die reichsten 0,01 Prozent in einigen Ländern einer genaueren Betrachtung unterzogen. Während in skandinavischen Ländern vier bis fünf Prozent der Vermögen im Ausland gebunkert sind, liegt der Anteil in Großbritannien, Frankreich und Spanien zwischen 30 und 40 Prozent. Diese Staaten werden nur von Russland getoppt, wo die High Society mehr als die Hälfte ihrer Finanzmittel offshore veranlagt hat. Dagegen ist der Anteil grenzüberschreitend gehaltener Finanzmittel in den USA gering, obwohl die Superreichen in den Vereinigten Staaten prozentuell mit Abstand über die größten Vermögen verfügen.

Bei der Destination von Auslandsgeldern gibt es schon seit Jahren einen klaren Trend. Asien, insbesondere Hongkong, hat die Schweiz als größter Offshore-Magnet abgelöst. (Andreas Schnauder, 18.9.2017)