Foto: Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

"Salome": Im Orchesterklangrausch

18. September 2017, 14:42

Richard Strauss' Oper "Salome" wurde an der Staatsoper unter Simone Young zum Orchesterkonzert mit vokalen Hintergrundgeräuschen

Wien – Da ist sie wieder, die kapriziöse Prinzessin von Judäa, die bipolare Emotionsextremistin, die sich eine Enthauptung ertanzt, um sich für eine Zurückweisung zu rächen. Wundervoll, dieses Libretto von Oscar Wilde: poetisch wie Hofmannsthal und realistisch wie Büchner. Und der geniale Klangcouturier Richard Strauss kleidete den Text in Fin-de-Siècle-Prunk mit Splittern der Moderne.

Die rumpelstilzchenhaft aktive Simone Young – Yannick Nézet-Séguin erkrankte leider – übertrieb es im Orchestergraben etwas mit dem Schüren des vulkanischen Feuers, das Gustav Mahler der Musik attestierte: Die erste Vorstellung wurde über weite Strecken zu einem (eindrucksvollen) Orchesterkonzert mit vokalen Hintergrundgeräuschen. Gut, die durchschlagskräftigsten Stimmen wurden am Besetzungszettel nicht aufgeboten. Aber wäre es nicht sinnvoll, die Lautstärke des Orchesters den Fähigkeiten der Sänger anzupassen?

Gun-Brit Barkmin, die Salome, ließ sich als "leicht erkältet" ansagen. Bei ihren Spitzentönen schaffte es die Deutsche, gleichzeitig schrill und blechern zu klingen. Ihre mittlere Lage ließ so wenig aufhorchen, wie ihre leicht erratische Bühnenpräsenz den Blick fesselte.

Da machte Zeljko Lucics Auftritt bei seinem Rollendebüt als Jochanaan schon mehr her: Wie ein dunkler Geist entstieg er seinem Gefängnis, gebückt und schleppend. Doch vokal agierte der Serbe enttäuschend, fand nur mit viel Druck zu Durchsetzungsfähigkeit. Meckernd und schwach der Narraboth von Carlos Osuna.

Iris Vermillion agierte stimmlich deutlich souveräner, bot als Herodias zudem eine große Show der herrischen Eitelkeit. Wolfgang Ablinger-Sperrhackes Herodes entbehrte ebenfalls nicht der Komik; der Charaktertenor, der auch mit lyrischer Biegsamkeit zu gefallen wusste, blieb als Potentat auf vokalem Gebiet doch zu oft ein Untertan des vorlauten Orchesters. Zum Lichtblick des Abends wurde Ulrike Helzel, die als Page sowohl mit Glanz und Geschmeidigkeit in der Höhe als auch mit einer energischen Tiefe dienen konnte. Begeisterung für all dies. (Stefan Ender, 18.9.2017)

Wiener Staatsoper, nächster Termin am 21. 9.