Aussterberisiko für sehr große und sehr kleine Tierarten am höchsten

24. September 2017, 18:37

Forscher glichen Daten von über 27.000 Wirbeltierarten mit ihrem Bedrohungsstatus ab und sehen klaren Zusammenhang

Gland – Ein Zusammenhang zwischen der Körpergröße einer Tierart und ihrem Bedrohungsstatus wird immer wieder postuliert, Studien dazu lieferten in der Vergangenheit widersprüchliche Ergebnisse. Laut einer neuen Publikation in "PNAS", die der Frage systematisch anhand von Wirbeltieren aus sechs Klassen nachging, lässt sich der Zusammenhang klar belegen: Besonders große und besonders kleine Tierarten haben demnach ein erhöhtes Risiko, auszusterben. Weniger gefährdet seien Arten mittlerer Größe.

Das internationale Forscherteam mit Beteiligung der Weltnaturschutzunion IUCN in Gland hat die Körpermaße von mehr als 27.000 Wirbeltierarten mit ihrem Bedrohungsstatus verglichen. Von diesen Spezies sind 4.400 akut vom Aussterben bedroht – darunter besonders viele kleine und große Arten, wie die Forscher berichten. Die Daten stammten von der Roten Liste der gefährdeten Arten der IUCN.

Demnach gibt es auf der Größenskala der Tierarten offenbar eine Art "Idealfenster", in dem die jeweiligen Arten weniger gefährdet sind. An beiden Enden der Skala jedoch sind die Tierarten einem höheren Risiko ausgesetzt, wie die Oregon State University, unter deren Leitung die Studie stand, mitteilte.

Mensch als Gefährder

Die meisten der größeren bedrohten Tierarten – ab einem Kilogramm Körpergewicht – seien durch Jagd und Fischfang gefährdet, schreiben die Forscher in der Studie. Die besonders kleinen Arten mit einem Körpergewicht von unter 77 Gramm seien hingegen besonders durch Veränderungen ihres Lebensraums beeinträchtigt. Darunter fallen zum Beispiel der in Kolumbien vorkommende Blaubauchkolibri und die in Thailand und Myanmar verbreitete Schweinsnasenfledermaus. Insgesamt sei das Risiko für kleine Tierarten bisher wahrscheinlich stark unterschätzt worden, hieß es weiter.

"Den Zusammenhang zwischen Körpergröße und Aussterberisiko einer Tierart zu kennen, gibt uns ein Werkzeug an die Hand, das Risiko für Arten zu bestimmen, über die wir noch nicht viel wissen", sagte Studienleiter William Ripple von der Oregon State University in Corvallis. Dem Schutz großer bedrohter Säugetiere wie Wale, Elefanten, Nashörner und Löwen widmen sich bereits eigene Schutzprogramme. Aber es brauche auch mehr Anstrengung im Schutz von kleineren Arten und größeren Nicht-Säugetieren, fordern die Wissenschafter. (APA, red, 24.9.2017)