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Peter Filzmaier: Der flinkeste Professor der Nation

Kopf des Tages |
19. September 2017, 11:00

Der Politik-Erklärer hat ab Dienstag wieder vermehrt Bildschirmzeit: Er beurteilt, wie die ORF-Duelle gelaufen sein werden

Wenn halb Österreich noch der Kopf schwirrt, weil zwei Spitzenkandidaten (beziehungsweise ihre Vizes) einander gerade alles Mögliche entgegengeschleudert haben, dann redet er im Rekordtempo – und schafft es dabei, dem Publikum zu erklären, wer zumindest aus diesem TV-Duell als Sieger hervorgegangen ist: Ab Dienstag analysiert Peter Filzmaier jeweils nach 22 Uhr ein knappes Dutzend ORF-Konfrontationen vor dem Wahltag.

Für die hohe Kunst des Professors für Politikforschung und -kommunikation gibt es längst einen eigenen Terminus: "filzmaiern". Die scherzhafte Wortschöpfung gilt als Synonym für den charakteristischen Schnellsprech, gespickt mit erläuternden Schachtelsätzen – und im konkreten Fall stets auch mit scharfsinnigem Spott.

Panzerfaust und Dreschflegel

Im Vorjahr etwa attestierte der 50-Jährige FPÖ-Hofburgkandidat Norbert Hofer via ZiB 2, soeben "mit Panzerfaust und Dreschflegel" gegen seinen Konkurrenten Alexander Van der Bellen vorgegangen zu sein – der Ausgang dieser Wahl ist bekannt. Unvergessen auch, dass Frank Stronach nach dem letzten Sommergespräch gegen Filzmaier Beschwerde bei der Komm Austria eingelegt hat. Dessen Fazit hatte gelautet: Für manche Zuseher sei der Parteigründer "plem-plem". Im März urteilte die Medienbehörde, dass damit das Gebot sachlicher Kommentare verletzt wurde, ein Rechtsstreit ist offen. Filzmaier versichert dazu heute: "Ich pointiere die politischen Tätigkeiten von Personen, es geht mir nie um persönliche Kränkung."

Schon in jungen Jahren machte sich bei ihm die Lust am Formulieren bemerkbar – allerdings eher in schriftlicher Form. Als Schüler gewann Filzmaier einen Prosawettbewerb unter dem Titel "Worte statt Waffen". Den studierten Politikwissenschafter in Wien zog es als Lehrbeauftragten schon an die Unis von Salzburg, Innsbruck, Klagenfurt, seit einigen Jahren forscht und liest er in Krems und Graz.

Amerikanische Mobilität

Lieber halte er es bei der Arbeit mit "der amerikanischen Mobilität" als "der österreichischen Gemächlichkeit", sagt Filzmaier. Seit den Neunzigern treibt sich der Professor mit hoher Publikationsdichte auch immer wieder in den USA herum, um die dortigen Wahlkämpfe zu studieren.

Und was macht Filzmaier, um vom Politzirkus zwischendurch Abstand zu nehmen? Da geht der Familienvater (eine Tochter) laufen – früher, wie für ihn typisch, in Halbmarathon-Geschwindigkeit, jetzt setzt er bewusst mehr aufs Joggen. (Nina Weißensteiner, 19.9.2017)