Berufliche Smartphone-Nutzung fördert das Grübeln

Anzahl der Unterbrechungen soll ausschlaggebend sein – TU Wien sucht Teilnehmer für Studie zu Auswirkungen auf Schlafqualität – Smartphone-Nutzer aktivieren ihr Gerät rund 64 Mal pro Tag

Wer außerhalb der Arbeitszeit am Smartphone erreichbar ist, sollte "echte Auszeiten" fixieren

foto: ap/green

Rund alle 20 Minuten nehmen Smartphone-Besitzer im Laufe des Tages ihr Gerät zur Hand, hat eine Pilotstudie der Technischen Universität (TU) Wien und der Arbeiterkammer (AK) Niederösterreich ergeben. Nun will eine Forschungsgruppe untersuchen, wie sich die berufliche Nutzung von Smartphones auf die Schlafqualität auswirkt. Wer an Studie teilnehmen möchte, kann das über die Smartphone-App YLVI tun.

Rund 64 Mal haben die Testpersonen der Pilotstudie innerhalb von 24 Stunden ihr Smartphoneaktiviert, lautet das Ergebnis der Pilotstudie zum Handynutzungsverhalten. Die Daten für die Studie wurden mittels einer neuen Smartphone-App für Androidgeräte gesammelt, die vom Institut für Managementwissenschaften und der von Thomas Grechenig geleiteten Forschungsgruppe für Industrial Software (INSO) am Institut für Rechnergestützte Automation der TU Wien entwickelt wurde: YLVI ("Your Latest Verified usage Information") erkennt, welche App wann und wie lange geöffnet wurde, so die Entwickler am Dienstag in einer Aussendung.

SMS: Vier Minuten täglich

Telefon und SMS wurden durchschnittlich nur je rund vier Minuten täglich aktiv verwendet. Mit der Nutzung von Nachrichtendiensten wie WhatsApp haben die Testpersonen im Schnitt sechs Mal so viel Zeit verbracht. "Wichtig ist es, nicht nur auf die Dauer der Nutzung zu achten, sondern auf die Anzahl an Unterbrechungen", erklärte Martina Hartner-Tiefenthaler vom Institut für Managementwissenschaften.

Dies gelte auch für die berufliche Handynutzung. Denn je mehr man außerhalb der Arbeitszeit erreichbar sei, desto eher werde das Grübeln über die Arbeit gefördert, haben die TU und die AK Niederösterreich nachgewiesen. Das wiederum beeinträchtige die Schlafqualität. Vor allem Frauen und Beschäftigte, die viele Überstunden leisten, würden dazu neigen, in der Freizeit über Arbeitsthemen nachzugrübeln.

Echte Auszeiten sind wichtig

"Die bloße Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit ist noch nicht unbedingt schädlich", erklärte Hartner-Tiefenthaler. "Wichtig ist es aber, echte Auszeiten zu haben, in der die Gedanken nicht um die Arbeit kreisen. Gehen diese Freiräume verloren, hat das eine schädliche Auswirkung auf die Schlafqualität."

Welche Auswirkungen der Zeitpunkt und die Häufigkeit von arbeitsbezogenen Nachrichten außerhalb der Arbeitszeit auf den Schlaf und das Wohlbefinden haben, wollen die TU und die AK nun genauer erforschen. Während bisher Befragungen und Selbsteinschätzungen als Erhebungsmethoden dienten, können laut Aussendung mit der App YLVI verlässliche Daten gesammelt werden.

Für die Studie werden noch Teilnehmer gesucht, Voraussetzung dafür ist die Installation der App YLVI. Diese ist gratis über den google play store erhältlich und zeichnet nach Installation drei Wochen lang anonym die Nutzungsdauer von Apps auf. Diese Daten werden auf einem sicheren Server der TU Wien gespeichert. Kontakte oder Nachrichten-Inhalte werden zu keinem Zeitpunkt ausgelesen. Parallel dazu ist ein Kurztagebuch zu Schlaf und Arbeit zu führen, dafür gibt es nach Ablauf der Studiendauer Feedback zur eigenen Handynutzung.

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