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Finanzmarktaufsicht warnt vor Bitcoin

19. September 2017, 11:02

Helmut Ettl: "Keine Aufsicht dahinter"

Wien – Der Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), Helmut Ettl, warnt vor der digitalen Währung Bitcoin. "Diese Kryptowährungen gewinnen an Wert, aber dahinter steht keine Kontrolle, dahinter steht keine Aufsicht", sagte Ettl im Ö1-"Mittagsjournal" am Dienstag. Dahinter stehe ein Versprechen, und es könne sein, dass dieses Versprechen nicht eingelöst werde. "Und dann kann das Ganze massiv an Wert verlieren", warnt Ettl.

Man solle sich nicht von den scheinbar hohen Gewinnaussichten täuschen lassen. Auch Ettl vergleicht wie kürzlich schon JPMorgan-Chef Jamie Dimon den Hype um Bitcoin mit dem Tulpenzwiebelwahn in Holland im 17. Jahrhundert. "Der Preis steigt weiter und weiter, und am Ende des Tages platzt die Blase, und viele Menschen haben viel Geld verloren", so Ettl.

Das Problem mit Blasen sei, dass man nie genau wisse, wann sie platzen werden. "Man weiß nur eines: Sie wird platzen."

Laut Ö1 werden in Österreich noch fleißig Bitcoins verkauft, auch über die Post. Das Geschäft laufe gut, sei von dort zu hören, genauere Zahlen seien nicht zu erfahren.

Kampf den Betrügern in der Schweiz

Die Schweizer Finanzmarktaufseher gehen unterdessen gegen Betrügereien mit Kryptowährungen vor: Die Finma hat Anbieter aus dem Verkehr gezogen, die Kunden über das Internet die selbst erfundene Scheinkryptowährung E-Coin angeboten haben, teilte die Behörde am Dienstag mit. Der Verein Quid pro Quo habe seit 2016 von einigen hundert Nutzern mindestens vier Millionen Franken entgegengenommen – allerdings ohne eine Bankbewilligung zu besitzen. Damit habe die Gesellschaft schwer gegen das Aufsichtsrecht verstoßen und werde daher geschlossen, erklärten die Aufseher.

Ob und wie viel Geld die Kunden zurückerhalten, ist offen: Weil der Verein überschuldet ist, hat die Finma auch ein Konkursverfahren eröffnet und im Zuge dessen zunächst zwei Millionen Franken sichergestellt.

Auch Bitcoin in der Kritik

Es ist nicht der erste Betrugsfall mit Kryptowährungen. Die wichtigste davon – Bitcoin – war bereits wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Terrorfinanzierung ins Rampenlicht geraten. Zuletzt sorgte ein massiver Kurssturz der Bitcoin für Schlagzeilen, nachdem chinesische Bitcoin-Handelsplätze ihren Rückzug aus dem Markt angekündigt hatten. Kryptowährungen basieren auf der Blockchain, einer Art weltweit verfügbaren dezentralen Datenbank. Jeder Nutzer erhält eine verschlüsselte Kontonummer und Informationen zu jedem produzierten Bitcoin werden auf der Blockchain gespeichert.

Auch in der Schweiz halten die Aufseher die Augen offen: Sie warnten am Dienstag vor weiteren Betrugsversuchen. Es gebe Hinweise auf Versuche, Nutzer für zwei neue Scheinkryptowährungen zu gewinnen. Zudem setzte die Finma drei Gesellschaften auf ihre Warnliste und führte elf Untersuchungen wegen anderer möglicherweise illegaler Aktivitäten in diesem Geschäftsfeld durch. (Reuters, 19.9.2017)