Foto: Getty Images/iStockphoto

Sport: Wie sich Muskelverletzungen vermeiden lassen

19. September 2017, 13:00

Experten warnen vor allem Freizeitsportler davor, beginnende Schmerzen in der Muskulatur auf die leichte Schulter zu nehmen

Neun von zehn Muskelverletzungen entstehen im Sport. Am häufigsten führen zu starke oder einseitige Belastung beim Training zu Zerrungen, Verhärtungen oder Muskelkater. Experten warnen vor allem Freizeitsportler davor, beginnende Schmerzen in der Muskulatur auf die leichte Schulter zu nehmen und so eine ernsthafte, langwierige Verletzung zu riskieren.

Ein weiteres Verletzungrisiko besteht in der direkten Gewalteinwirkung: Ein Schlag auf den Oberschenkel, ein Tritt in die Wade – im Fußball betrifft etwa jede dritte Verletzung den Muskel. Auch bei Leichtathleten entfällt mit 16 Prozent der größte Teil aller sportbedingten Verletzungen auf die Muskeln. "Viele Sportler machen den Fehler, die Schmerzen in der Muskulatur lange zu ignorieren", sagt Thomas Vogl vom Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. "So kann sich eine kleinere Verletzung – wie etwa eine Zerrung – verschlimmern und den Sportler für Wochen oder gar Monate außer Gefecht setzen."

Die Muskeln regenerieren lassen

Auch wer seine Muskeln regelmäßig überbelastet oder alte Verletzungen nicht richtig auskuriert, riskiert nachhaltige Schäden, wie der Experte betont. "Schon ein Muskelkater sollte Anlass sein, die Belastung bei der nächsten Trainingseinheit etwas zu verringern. Die Schmerzen sind ein Zeichen, dass der Muskel sich noch erholt: Wer zwischen den Trainingseinheiten nicht ausreichend pausiert, erhöht sein Risiko für eine Zerrung oder sogar einen Muskelfaserriss, ergänzt Ingo Marzi von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Die steigenden Anforderungen im Spitzensport und die zunehmende Beliebtheit des Breitensports führen dazu, dass auch die Zahl der Muskelverletzungen zunimmt. "Gerade für Profi-Athleten zählt bei der Behandlung und Regeneration jeder Tag", betont Vogl.

Mit bildgebender Diagnostik können Orthopäden und Unfallchirurgen die Art und Ausmaß einer Verletzung gut einschätzen und sogar eine Prognose zum Heilungsprozess geben, sagt der Experte. "Im MRT können wir sogar nachweisen, an welchen Stellen ein Muskel bereits geschädigt oder überlastet ist, bevor der Patient überhaupt Schmerzen hat." (red, 19.9.2017)

So lassen sich Muskelverletzungen vorbeugen:

  • Wer krank oder verletzt ist, sollte nicht trainieren.
  • Die Trainingskleidung sollte vor Kälte und Feuchtigkeit schützen, damit die Muskulatur nicht abkühlt.
  • Ein Aufwärmprogramm mit 20 Minuten lockerem Joggen hilft den Muskeln, ihre optimale Betriebstemperatur zu erreichen.
  • Muskeln wirken immer in Paaren von Spielern und Gegenspielern. Sportarten wie Fußball oder Joggen etwa beanspruchen die Vorderseite des Oberschenkels stärker als die Rückseite. Gezielte Kräftigungsübungen können dieses Ungleichgewicht kompensieren. Wer zusätzlich die Rumpfmuskulatur trainiert, stabilisiert den ganzen Körper und schützt sich so vor Verletzungen.
  • Zu hartes Training bringt keine Leistungssteigerung: Der Trainingsplan sollte zum individuellen Leistungsvermögen des Sportlers passen und den Muskeln ausreichend Zeit zur Erholung lassen.

Zum Weiterlesen:

Empfehlung: Ab 40 Muskeln stark belasten

Frauen plagen immer häufiger Knieprobleme

Fußballverletzungen: Statt Bällen die Gegner treten

Schmerz: Der Zirkus mit dem Knie

Weitere Artikel zum Thema Bewegung und Fitness