Studie: Stammzellen überreden andere Zellen zu Untaten

19. September 2017, 13:39

Wiener Forscher fanden heraus, dass Signale von Stammzellen andere Zellen veranlassen, im Körper herumzuwandern und ihnen bei der Tumorbildung zu helfen

Wien – Stammzellen sind wichtig in der Therapie, um etwa kranke Blut-, Hirn- und Herzmuskelzellen zu ersetzen. Doch manchmal geraten sie auf Abwege und bilden Tumore. Dazu müssen sie aber auf umliegende Zellen "einreden" und sie zu Mittätern machen, berichten Wiener Forscher. Verhindert man diese Kommunikation, entstehen keine Stammzelltumore, erklären die Wissenschfter im Fachmagazin "Nature Communications".

Derzeit seien international dutzende klinische Studien im Gange, für die im Labor verschiedene menschliche Zelltypen hergestellt werden. Sie werden in Patienten transplantiert, um geschädigtes Gewebe und Organe zu regenerieren, erklärt Markus Hengstschläger vom Institut für Medizinische Genetik der MedUni Wien. Doch dabei täte sich ein "altbekanntes und bisher ungelöstes" Problem auf, nämlich, dass die Stammzellen in den Körpern der Patienten immer wieder eine Karriere als Krebszellen einschlagen und andere Nebenwirkungen wie Fibrosen hervorrufen.

Signalweg blockieren

Die Wiener Forscher fanden heraus, dass die Stammzellen dazu Hilfe benötigen. "Sie sprechen quasi mit den Zellen ihrer Umgebung, indem sie Signale ausschicken, wie den Wachstumsfaktor IGF (Insulin-like Growth Factor)", sagt Hengstschläger. Diese aktivieren in Blutzellen und anderen benachbarten Zellen den "mTor"-Signalweg, der etwa das Zellwachstum antreibt und die Mobilität von Zellen fördert. "Dadurch wandern diese Zellen im Körper herum und auch in den Tumor hinein, und ernähren diesen", erklärt der Experte. Die Folge können Teratome (Stammzelltumore) sein.

Hält man den umliegenden Zellen jedoch quasi die Ohren zu, indem man bei ihnen den "mTor"-Signalweg blockiert, kann sich kein Tumor entwickeln. "Diese Entdeckung ist ein wichtiger Schritt in Richtung der sicheren therapeutischen Anwendung von Stammzellen am Menschen", sind die Forscher überzeugt. (APA, 19.9.2017)