FP Burgenland: Kandidat mit antisemitischen Aussagen in Draßburg

19. September 2017, 16:44

Ein Mann, der für die FPÖ in Draßburg kandiert, fällt seit rund 30 Jahren durch antisemitische, rechtsextreme Aussagen auf. In der Partei will das niemand gewusst haben

Eisenstadt/Wien – Die FPÖ Burgenland kommt nicht zur Ruhe. Immer wieder werden "Einzelfälle", wie die Partei rechtsextrem agierende Funktionäre und Parteigänger gerne nennt, bekannt. Nachdem erst kürzlich die einschlägigen Umtriebe blauer Kandidaten für die Gemeinderatswahl am 1. Oktober in den Gemeinden Bruckneudorf-Kaisersteinbruch und St. Andrä am Zicksee bekannt wurden, ist es nun ein Mann, der in Draßburg (Bezirk Mattersburg) kandidiert. Der STANDARD wurde auf alte und jüngere sehr heftige Facebook-Einträge aufmerksam gemacht.

"Mit Volldampf nach Auschwitz"

Der Mann kam in den letzten 30 Jahren wiederholt wegen hetzerischen Aussagen mit dem Gesetz in Konflikt. Früher vor allem gegen Juden, jüngst auch gegen Muslime und Flüchtlinge ganz allgemein. Vor ein paar Jahren war es ein Bild mit einem Zug voller junger, ausländisch aussehender Männer, unter dem der Satz "Mit volldampf auf nach Ausschwitz" (sic.!) steht, heuer postete er unter eine Liste mit humanitären Organisationen, darunter u. a. Amnesty International oder katholische Jugendvereine: "Die Liste dieses gesammelten linkslinken Drecksgesindel ist kopiert....archiviert … wird sorgfältig auf gehoben für den TAG X ..." . Immer wieder sind auch antisemitische Weltverschwörungstheorien dabei.

Die jüdische Familie Rothschild reagiert laut seinen Postings die Welt und Muslime gehören allesamt außer Landes geschafft.

Hitler-Flieger

Zu den von ihm goutierten Videos auf Youtube gehört ein wenig spannendes fast fünf minütiges animiertes Filmchen, in dem ein Flieger mit Hakenkreuz, dem Konterfei Hitlers und der Aufschrift "Heil Hitler" startet , fliegt und landet.

"Er ist jetzt viel ruhiger geworden, nicht mehr so wie früher", sagt der SPÖ-Bürgermeister von Draßburg Christoph Haider auf Nachfrage des STANDARD, "man kann mit ihm ganz normal reden, wenn man ihn im Kaffeehaus trifft, aber es ist in unserer Ortschaft bekannt, dass er einen rechten Einschlag hat."

Der Klubchef der FPÖ Draßburg, René Tschögl, sagt im STANDARD-Gespräch, er hätte nicht gewusst, wie der Mann rede oder was er poste: "Ich bin zwar auf Facebook, aber ich schau da nie hinein. Ich werde ihn aber sicher zur Rede stellen." Würde der Mann in den Gemeinderat hineingewählt werden, würde Tschögl "sicher auf ihn einwirken, dass er es nicht annimmt".

Landesgeschäftsführer wusste nichts

FPÖ-Landesgeschäftsführer Christian Ries sagt auf Nachfrage des STANDARD, er persönlich habe nichts von der Gesinnung des Mannes gewusst. Wie bei anderen Fällen im Burgenland ist es terminlich zu spät, den Mann von der Kandidatenliste zu nehmen. Ob man auf ihn einwirken werde, ein etwaiges Mandat nicht anzunehmen? "Ich persönlich wäre dafür", so Ries am späten Dienstagnachmittag, "aber wir haben ihn noch nicht erreicht." (Colette M. Schmidt, 19.9.2017)