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Der Phileas Fogg des extremen Radsports

Kopf des Tages |
19. September 2017, 16:57

Der Schotte Mark Beaumont radelte in 79 Tagen um die Welt

Diesen Typen hätte sich selbst Jules Verne nur schwer ausdenken können. Schließlich setzte Mark Ian Macleod Beaumont für seine am Dienstag in Paris beendete Reise in 78 Tagen, 14 Stunden und 40 Minuten um die Welt im Wesentlichen auf ein schwer bepacktes Straßenrad.

Die nötigen Flüge – über den Pazifik und den Atlantik – kompensierte der 34-jährige Schotte durch Umwege, die Phileas Fogg sich und dem getreuen Passepartout niemals zugemutet hätte. Beaumont durchmaß neben Europa, Asien und Nordamerika auch noch Australien und Neuseeland – der Regeln, aber wohl auch der Geschäfte wegen.

Schließlich lebt der zweifache Familienvater von seinen Extremabenteuern. Den Verne-Aufguss, der ihn ins Guinness Buch der Rekorde bringt, finanzierten Investmentfonds ebenso wie touristische und radspezifische Unternehmen. Beaumont radelte "in den längsten zweieinhalb Monaten meines Lebens" auch viel Geld für karitative Zwecke ein – wie es in diesem Gewerbe ein schöner Brauch ist.

Als zwölfjähriger Bub bewies Beaumont erstmals, dass er das Zeug zum Extremsportler hat. Da radelte er längs durch Schottland. Mit 15 durfte es dann schon Großbritannien sein, von John o’ Groats nach Land’s End. 2008 schaffte es der Absolvent der Universität von Glasgow nach den Regeln der Guinness World Records – unter anderem sind ohne Begleitfahrzeuge und Gepäcktransport zumindest 29.000 Kilometer zurückzulegen, die Route muss zwei ungefähr antipodale Punkte treffen – in etwas mehr als 194 Tagen um die Welt.

Eine BBC-Dokumentation sorgte für Popularität, die auch unter Fehlschlägen nicht litt. 2012 mussten Beaumont und fünf Mitstreiter gerettet werden, nachdem sie beim Versuch, den Atlantik von Marokko aus in Rekordzeit rudernd zu überqueren, gekentert waren.

Mit dem Rad klappte es stets besser. Afrika von Kairo nach Kapstadt durchmaß der Mann aus der Grafschaft Perthshire ebenso in Rekordzeit wie die beiden Amerikas von Anchorage, Alaska, nach Ushuaia, Argentinien, obwohl er mit 90 Kilogramm auf gut 1,90 Meter Größe verteilt, nicht gerade die ideale Statur mitbringt. Weshalb sich der Ehrendoktor und -rektor der Uni Dundee auch seines neuesten Rekords nicht sicher ist: "Ein leichterer Mann kann es schneller schaffen." Der müsste dann aber über Wochen mehr als im Schnitt 390 Kilometer pro Tag auf dem Rad zurücklegen – schwierig, schwierig. (Sigi Lützow, 19.9.2017)