Foto: apa/afp/hache

Pro & Kontra: Dekolleté zeigen

26. September 2017, 08:49

Dekolleté ist selbstverständlich oder: Weniger ist mehr

Julianne Moore und Susan Sarandon auf dem roten Teppich bei den Filmfestspielen in Cannes.
foto: apa/afp/hache

Pro
von Irene Brickner

Warum man Dekolleté zeigt? Weil man eines hat. Das klingt wohl nach einer allzu einfachen Ansage. Doch es trifft die Erfahrung der Autorin – und vielleicht auch mancher anderen Frau –, die, wie es sexistisch so schön heißt, etwas herzeigen kann.

Da ist es eines Tages draußen heiß, oder aber man will auf eine Party gehen und schlüpft in ein Kleid mit Spaghettiträgern. Und schon zeigt man es, das Dekolleté – ob man das so nun gewollt hat oder nicht.

Läuft die Sache in der Folge gut, tragen einem der entblößte Hals – so die freie Übersetzung aus dem Französischen – und Busenansatz freundlich-zugetane Blicke ein. Läuft's schlecht, aufdringliches Gestarre. Letzteres kann bei der Dekolletézeigenden bis hin zu Fluchtplänen führen und zu Reuegedanken, weil die hochgeschlossene Bluse oder das Halstuch daheim im Schrank geblieben sind.

Doch warum eigentlich? Sind Frauen mit substanziellen Brüsten dazu verdammt, diese entweder zu verbergen oder aber gewollt sexy einzusetzen? Nein! Vielmehr gilt: Dekolleté ist selbstverständlich. Es ist auch zum Zeigen da.

Kontra
von Mia Eidlhuber

Aus mir spricht vielleicht der Neid der Besitzlosen. "Natürlich!", werden manche denken. Noch natürlicher ist die Antwort auf die Frage, was denn gegen ein Dekolleté spräche, wenn ich die zum Beispiel einem männlichen Kollegen oder Freund stelle. "Hm!", sagen sie dann und bekommen dieses Herrenwitzeschmunzeln im Gesicht: "Gar nichts!"

Ohne mich hier auf die gegnerische Seite schlagen zu wollen. Es spricht auch gar nichts dagegen, sein Dekolleté zu zeigen. Hätte ich zum Beispiel Lust daran, meine Brüste in einen Push-up-BH zu zwängen und sie anderen Menschen unter die Augen zu halten, ich würde es tun. Als Frau, als Mutter, als Kollegin. Und ganz sicher auch als Feministin. Oder gibt es einen Dresscode, wie Feministin auszusehen hat? Eben!

Meine kritische Theorie der Oberweiten-Zurschaustellung ist rein ästhetisch begründet. Mir graut schon jetzt vor den urbanen Horden billiger Dirndln auf den Wegen zu sämtlichen Oktoberfesten dieser Welt. Da packe ich, nein, nicht meinen Busen, sondern mein altes Credo aus: Weniger ist mehr. Gilt für Dekolletés und Oktoberfeste! (RONDO, 26.9.2017)