Doktoranden oft unzufrieden mit Betreuung

20. September 2017, 10:32

Die ÖH wünscht sich eine Anlaufstelle für Doktoranden. Ein häufiges Problem sei nicht ausreichende Betreuung, sagt Josef Leidenfrost, Leiter der Ombudsstelle im Wissenschaftsministerium

Wien/Salzburg – Derzeit belegen rund 27.000 Studierende in Österreich ein Doktoratsstudium. Ihr häufigstes Problem dabei liegt im konkreten Betreuungsverhältnis. Sowohl die Ombudsstelle für Studierende als auch die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH) wünschen sich daher an jeder Hochschule eine institutionalisierte Anlaufstelle bei Problemen.

Am Mittwoch veranstaltet die Ombudsstelle für Studierende im Wissenschaftsministerium gemeinsam mit der Österreichischen Agentur für wissenschaftliche Integrität in Salzburg eine Tagung zu "Doktoratsstudien im österreichischen Hochschulraum". Das häufigste Anliegen der Doktoranden betreffe ihre Betreuung, so der Leiter der Ombudsstelle, Josef Leidenfrost. "Sie fühlen sich beim Verfassen ihrer Dissertation nicht gut genug, nicht oft genug oder nicht seriös genug betreut bzw. haben das Gefühl, dass das Betreuungsverhältnis eigentlich ein Nicht-Verhältnis ist."

"Starke Abhängigkeit"

Auch die Beratungen der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) drehen sich beim Doktorat vor allem um das Betreuungsverhältnis, berichtete ÖH-Vorsitzende Johanna Zechmeister. "Es gibt eine sehr starke Abhängigkeit. Außerdem ist nirgendwo geregelt, wie intensiv so eine Betreuung sein soll, wie oft man sich trifft oder was passiert, wenn mein Betreuer auf einmal nicht mehr kann – etwa weil er ins Ausland geht oder nicht länger an der Hochschule tätig ist."

Die ÖH wünscht sich für letzteren Fall eine rechtliche Regelung – etwa über eine Co-Betreuung oder eine Garantie der Uni, einen anderen Betreuer zur Verfügung zu stellen. "Ein Problem ist auch, dass es an den Unis nicht überall institutionalisierte Anlaufstellen bei etwaigen Problemen gibt", so Zechmeister.

Versorgung nur vereinzelt

Eine solche wünscht sich auch Leidenfrost: In der "Europäischen Charta für Forscher" sei verankert, dass Arbeitgeber – also im Regelfall Unis – "geeignete Verfahren einführen, eventuell in Form einer unparteiischen Person (in der Art eines Ombudsmanns), um Beschwerden oder Einsprüche von Forschern zu behandeln, einschließlich derer über Konflikte zwischen Betreuern und Nachwuchsforschern". Derzeit seien in Österreich solche Stellen als eine Art "Erstversorgung vor Ort" nur vereinzelt etabliert, etwa an der Technischen Universität (TU) Graz und der Uni Klagenfurt.

Zechmeister regt wiederum auch eine Art "Betreuung für die Betreuer" an. Noch nicht allzuweit verbreitet ist die Anstellung von Doktoranden bei den Unis. Es gebe im Anschluss daran auch nicht die nötigen Laufbahnstellen. Daher finanzierten viele ihr Doktorat auch über Stipendien, die aber wiederum oft für den Lebensunterhalt nicht ausreichten. Folge: Das Doktoratsstudium dauert länger als eigentlich vorgesehen. Rund die Hälfte der Doktoranden breche ab, von den Erfolgreichen schafft es nur ein Viertel in der Regelstudienzeit.

Geld für angestellte Doktoranden

Gewisse Rahmenbedingungen für eine Dissertation werden aber schon jetzt durchaus gefördert: Der Hochschul-Sektionschef im Wissenschaftsministerium, Elmar Pichl, verwies in einer Grußadresse auf die Vergabe der Hochschulraum-Strukturmittel im Rahmen der Uni-Budgets. Dort ist festgehalten, dass die Unis dann zusätzliches Geld für bei ihnen angestellte Doktoranden erhalten, wenn etwa eine Dissertationsvereinbarung mit einem Zeit- und Arbeitsplan abgeschlossen wird oder die Betreuung bzw. Begleitung durch ein Team erfolgt. (APA, 20.9.2017)