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E-Mail-Leaks: Wie Coca-Cola Gesundheitspolitik beeinflusst

20. September 2017, 12:53

Ein veröffentlichter E-Mail-Verkehr zwischen ehemaligen Führungskräften von Coca-Cola zeigt, wie versucht wurde, Gesundheitsrichtlinien für kommerzielle Gewinne zu steuern

Die Analyse von E-Mail-Korrespondenz durch Forscher der Deakin University in Melbourne beweist die Einflussnahme von Coca-Cola auf die Gesundheitspolitik. Die E-Mails wurden 2015 verfasst und aufgrund einer Anfrage im Zuge der Informationsfreiheit erlangt.

"Die E-Mails entlarven ein bewusstes und koordiniertes Vorgehen, wie wissenschaftliche Belege sowie Expertenmeinungen zu Gesundheit und Ernährung zu beeinflussen sind", sagt Hauptautor Gary Sacks, Senior Research Fellow am Global Obesity Centre der Deakin School of Health and Social Development. "Die Taktiken, die in dieser Kommunikation zwischen einem ehemaligen Vizepräsidenten der Global Scientific and Regulatory Affairs und einem ehemaligen Senior Vizepräsidenten bei Coca-Cola verwendet wurden, stellen eine erhebliche Gefahr für internationale Bestrebungen dar, wichtige Gesundheitsprobleme wie Adipositas zu bewältigen", so Sacks.

Obwohl Unternehmen, die von dem Verkauf von ungesunden Lebensmitteln profitieren, eine wichtige Rolle bei der Prävention von Adipositas spielen sollten, besteht hier ein klarer Interessenkonflikt, wenn es um die Entwicklung von wissenschaftlichen Beweisen und Regierungsrichtlinien geht.

Wissenschaft beeinflussen

Laut Sacks waren die in den veröffentlichten E-Mails diskutierten Taktiken ähnlich denen, die auch von Tabak- oder Alkoholproduzenten verwendet werden:

  • Beeinflussung von wissenschaftlichen Beweisen: das Entwickeln von eigenen Beweisen bezüglich der Gründe von Adipositas, sowohl durch direkt beauftragte Studien als auch durch Einfluss auf externe Organisationen.
  • Eigene Positionierung in wissenschaftlichen und medizinischen Institutionen: die Verwendung ihrer Positionen in einflussreichen wissenschaftlichen Institutionen und medizinischen Verbänden, um die Debatte und Diskussion zugunsten der Interessen der Industrie zu lenken.
  • Aufbauen von Beziehungen mit politischen Entscheidungsträgern und Meinungsführern: Förderung von umfangreicher Zusammenarbeit mit der Regierung und Wissenschaft und das Benutzen dieser Kontakte, um die öffentliche Debatte zu leiten.

"Die Gemeinschaft von Medizin und Gesundheitswesen sollte sich dessen bewusst sein, dass Teile der Lebensmittelindustrie sie als Werkzeuge sehen, mit welchen sie Beeinträchtigungen ihres Profits abwenden können", sagt Sacks. "Diese Arbeit hebt die Bedeutung der Identifizierung und der Bewältigung von potenziellen Interessenkonflikten bei professionellen Institutionen, wissenschaftlichen Gesellschaften und politischen Entscheidungsträgern hervor." (red, 20.9.2017)