Foto: Andrius Pašukonis

Pfeilgiftfrösche lassen sich leicht zur Brutpflege animieren

24. September 2017, 10:00

Einfacher Berührungsreiz bringt die Frösche dazu, den Nachwuchs zum Wasser zu transportieren

Wien – Pfeilgiftfrösche betreiben ausgiebige Brutpflege, ohne diese elterliche Fürsorge hätte der Nachwuchs im Urwald wohl kaum eine Überlebenschance. Oft tragen die Männchen dabei buchstäblich die Hauptlast: Gleich nach dem Schlüpfen schleppen sie ihre Kaulquappen Huckepack zu Wasserstellen. Wiener Forscher konnten nun zeigen, dass dieses komplexe Verhalten durch einen einfachen Reiz ausgelöst werden kann: Sobald man Kaulquappen auf den Rücken der Frösche setzt, beginnen sie mit dem Transport – selbst wenn man ihnen Kuckucks-Kinder unterjubelt.

Bei der Pfeilgiftfrosch-Art Allobates femoralis sorgen vor allem die Männchen für den lebensrettenden Transport des Nachwuchses zu weit verstreuten Wasserstellen im Regenwald. Andrius Pašukonis und Kristina Beck vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien haben gemeinsam mit Eva Ringler vom Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Kollegen untersucht, ob die Tiere ihr Gelege selbst aufnehmen müssen, um dieses komplexe Brutpflegeverhalten an den Tag zu legen, oder ob man dieses auch experimentell auslösen kann.

Pflegeeltern-Modus bei Rückenkontakt

Sie platzierten dazu fremde Kaulquappen auf den Rücken verschiedener Frösche und verfolgten die mit einer kleinen Antenne ausgestatteten Tiere. Wie die Wissenschafter im "Journal of Experimental Biology" berichten, reichte alleine der Rückenkontakt bei den Fröschen, um zu fürsorglichen Pflegeeltern zu werden und die Kaulquappen zum Wasser zu bringen.

Sogar Weibchen, die bei dieser Art nur in Ausnahmefällen den Nachwuchs transportieren, machten sich mit aufgesetzten Kaulquappen auf den Weg zu Wasserstellen. "Wir vermuten, dass hierbei taktile Signale, also bestimmte Berührungen oder Bewegungen der Kaulquappen eine Rolle spielen", erklärt Pašukonis. "Diese Ergebnisse sind deshalb so interessant, da sie zeigen wie ein einfacher Stimulus ein komplexes Verhaltensmuster auslöst. Die erwachsenen Pfeilgiftfrösche marschieren nicht nur los, die Berührung ruft auch die Erinnerungen an weit verstreute Wasserstellen hervor." (APA, red, 24.9.2017)