Foto: Kronsteiner

"Viennacontemporary": Kunst ohne Brandgeruch, doch mit heißen Themen

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20. September 2017, 17:09

Noch bis inklusive Sonntag präsentieren sich 110 Galerien aus 27 Ländern. Das ambitionierte Ziel: In fünf Jahren will man zu den Top-fünf-Messen weltweit gehören

Wien – Wer beim Betreten der Marx-Halle angesichts des knapp achtstündigen Feuerwehreinsatzes vor elf Tagen zumindest Anflüge von Brandgeruch erwartete, der sollte irren. Stattdessen wabert ein parfümierter Duft durch den Innenraum, spendiert von Aesop, einem der neuen "Partner" der "Viennacontemporary" (VC).

Die von einem Statiker behördlich verordneten Maßnahmen konnten ebenso zeitgerecht umgesetzt werden wie der Aufbau der Kunstmesse. Zur Erleichterung aller und besonders jener internationalen Teilnehmer, deren Kunsttransporte längst auf dem Weg waren. Etwa jener der Galerie H.A.N. aus Seoul, die zum mittlerweile sechsten Mal mit einer Werkschau südkoreanischer Künstler in Wien gastiert. Insgesamt bezogen 110 Galerien aus 27 Ländern in dem denkmalgeschützten Industriebau ihr temporäres Quartier und präsentieren hier bis inklusive Sonntag (24.9.) eine Auswahl ihres Programms.

Ehrgeiziges Ziel der "Vienna Vontemporary", Österreichs größter und wichtigster Messe für Kunst, ist Wien als Hauptstadt zeitgenössischer Kunst zu etablieren. Sie ist am Mittwoch in der Wiener Marx-Halle eröffnet worden. Beitrag aus der ORF-ZiB.
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Der Schwerpunkt auf Ost- und Südeuropa spiegelt sich heuer in einer umfangreichen Rückschau zur Entwicklung der Kunstszene in Ungarn. Und wie schon 2016 gewähren "Nordic Highlights" Einblicke in das Angebot ausgewählter Galerien aus Finnland, Dänemark und Schweden. Das Ergebnis ist ein Potpourri zeitgenössischer Kunstströmungen.

Dementsprechend groß ist die Bandbreite optional zu verprassender Kaufbudgets. Von 600 Euro aufwärts, etwa für ein Miniaturgemälde des Polen Przemek Matecki, das man aus einer Vielzahl von der Kojenwand der Raster Gallery (Warschau) pflücken kann. Um Millionen geht es indes bei Gerhard Richter. Michael Schultz (Berlin) hält zwei Kleinformate bereit. Noch, denn ein Sammler aus China habe sie kurzfristig reserviert. Kostenpunkt: 2,3 bzw. 3,4 Millionen Euro. Im Mittelpunkt steht hier junge Kunst, etwa Plastiken des Chinesen Feng Lu, unter dessen bitterböser Ironie Trump zum Schwein mutiert.

Feldmalerei und Loops

Einen Kontrast der kontemplativen Art bietet Rosemarie Schwarzwälder mit Werken Ferdinand Penkers (1950-2014), in denen sich Einflüsse von US-Farbfeldmalerei und Minimal Art spiegeln. Philipp Konzett widmet seine Präsentation ausschließlich Künstlerinnen und ist mit Arbeiten von Valie Export, Carolee Schneemann und Helen Chadwick bestückt. Von Letzterer, der ersten je für den Turner Prize nominierten Frau, hält er eine Lichtinstallation von 1991 bereit: Loop my loop, aus einer Dreieredition, die Konzett für 55.000 Euro künftig allerdings nicht in Privatbesitz, sondern in Museumsbestand beheimatet wissen will. Verhandlungen mit einer deutschen und einer österreichischen Institution seien bereits angelaufen.

Zu den gelungensten Inszenierungen gehört jene unter der Regie von Thaddaeus Ropac, der exemplarisch für die britische Bildhauerkunst Werke von Tony Cragg, Richard Deacon, Antony Gormley und Anish Kapoor versammelte. Den Anspruch an Internationalität hat die Viennacontemporary längst erfüllt. Man sei bereits unter den Top-20-Messen weltweit, ist Vorstandsvorsitzender Dmitry Aksenov überzeugt. Sein ambitioniertes Ziel: in fünf Jahren zu den fünf wichtigsten Messen zu gehören. (Olga Kronsteiner, 20.9.2017)