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Scheidungskinder im Vorschulalter profitieren davon, bei beiden Eltern zu leben

23. September 2017, 15:00

Kinder zwischen drei und fünf Jahren, die nach der Scheidung zu gleichen Teilen bei Vater und Mutter leben, haben laut Studie weniger psychische Probleme

Uppsala – In Schweden leben verglichen mit anderen Ländern verhältnismäßig viele Kinder nach der Trennung ihrer Eltern zu gleichen Teilen bei Mutter und Vater. Genau diese Variante der Kinderbetreuung nach Scheidung oder Trennung sei es, von der Vorschulkinder am meisten profitieren, legt nun eine kleine schwedische Studie nahe.

So zeigen Kinder zwischen drei und fünf Jahren, deren geschiedene oder getrennt lebende Eltern sich die Obsorge und Betreuung im Alltag nach dem Schlüssel halbe-halbe teilen, weniger Verhaltensauffälligkeiten und psychische Symptome als Scheidungskinder in diesem Alter, die ausschließlich oder überwiegend bei einem Elternteil leben.

Bisher kaum Daten zu kleineren Kindern

Die Forscherinnen und Forscher von der Universität Uppsala, dem schwedischen Karolinska Institut und dem Forschungsinstitut CHESS haben insgesamt 3.369 Kinder zwischen drei und fünf Jahren in ihre Studie einbezogen. Sie weisen darauf hin, dass schon frühere Untersuchungen gezeigt hätten, dass Schulkinder und Jugendliche von der gemeinsamen Obsorge ihrer Eltern profitieren, sofern in beiden Elternhaushalten ein liebevolles Klima herrscht. Bis jetzt habe es aber kaum Daten zu den Effekten dieser Betreuungsvariante auf kleinere Kinder gegeben. Diese Forschungslücke will das Team um Malin Bergström und Emma Fransson nun geschlossen haben.

Eltern und Lehrpersonen befragt

Die Wissenschafter befragten Mütter und Väter sowie Vorschullehrer mittels detaillierten Fragebogens zu Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Symptomen der Kinder in ihrer Betreuung. 136 der Kinder wurden nach einer Scheidung zu gleichen Teilen von beiden Elternteilen betreut, 3.369 Kinder lebten in intakten Familien, 79 Kinder vorwiegend bei einem Elternteil und 79 ausschließlich bei einem Elternteil.

Es zeigte sich, dass sowohl die Eltern als auch die Lehrpersonen bei jenen Kindern mehr Verhaltens- und psychische Auffälligkeiten beobachteten, die nach der Trennung oder Scheidung der Eltern ausschließlich oder vorwiegend bei Vater oder Mutter lebten. Bei jenen Kindern, die in intakten Familien oder zu gleichen Teilen bei Vater und Mutter lebten, beschrieben die Forscher dagegen weniger Auffälligkeiten.

"Keine kausalen Schlüsse zulässig"

Die Forscherinnen und Forscher sehen es als eine Stärke ihrer Studie, dass nicht nur die Eltern, sondern auch Lehrpersonen zum Verhalten der Kinder befragt wurden. Zugleich betonen Bergström und ihr Team, dass aus dem Ergebnis keine kausalen Schlüsse ableitbar seien: Derartige Interpretationen des Ergebnisses würden mehr Wissen über das Verhalten und die psychische Entwicklung der Kinder vor der Trennung der Eltern voraussetzen. (lima, 23.9.2017)