Schweizer Forscher sind den Regeln des Altruismus auf der Spur

26. September 2017, 10:00

Hilfe ohne absehbare Gegenleistung: geteilte Absicht als Grund

Neuenburg – Schweizer Forscher an der Universität Neuenburg haben die Mechanismen des Altruismus genauer unter die Lupe genommen. Die Wissenschafter wollten die Ursachen ergründen, warum jemand eine Aufgabe individuell für sich oder einer anderen Person helfend und damit altruistisch angeht. Besonders ging es den Wissenschaftern darum, Elemente ausfindig zu machen, welche die geteilte Absicht erleichtern oder anders gesagt, die Fähigkeit, die Ziele anderer zu den eigenen zu machen.

Jagd nach Plastikeiern

Um das herauszufinden, wurde eine spielerische Jagd nach Plastikeiern organisiert, von denen jedes eine Schraube einer gewissen Farbe enthielt. Ein Spieler musste rote Schrauben sammeln, der andere blaue.

Die Motivation war der Gewinn, denn jede gesammelte Schraube führte am Schluss zu einem individuellen Gewinn. Jeder Spieler konnte entscheiden, ob er mit jemandem zusammenarbeiten oder allein vorgehen wollte. Dabei folgten die Spieler der gefühlten Zugehörigkeit zu einer Gruppe, der sie zugeteilt worden waren.

Vor Spielbeginn mussten die teilnehmenden Frauen und Männer einen Fragebogen über Nahrungsvorlieben ausfüllen, aufgrund dessen sie einer Gruppe zugeteilt wurden, etwa den "Erdäpfeln" oder "Orangen". Das wurde mittels eines Täfelchens sichtbar gemacht. Die Spielerpaare konnten sich deshalb deshalb aus zwei Mitgliedern der selben Gruppe oder aus verschiedenen Gruppen zusammensetzen. Andere Anweisungen gab es nicht.

Gruppenmitglieder vs. Individuen

Die im Fachjournal "Royal Society Proceedings B" präsentierten Resultate ergaben, dass zwei Probanden aus der selben Gruppe – etwa den "Orangen" – zweimal häufiger zusammenarbeiteten als zwei Personen aus verschiedenen Gruppen. Auch die Frauen arbeiteten doppelt so häufig zusammen wie die Männer, sagte Jennifer McClung, die Hauptautorin von der Universität Neuenburg.

Frauen und Personen aus derselben Gruppe gaben auch öfters der anderen Person eine Schraube ab, die ihnen selbst nichts nützte. Das kam zustande, weil sie über die Eierjagd sprachen, als ob sie ein Team seien, während Personen aus verschiedenen Gruppe oder Männer die Eierjagd als individuelle Aufgabe angingen. (APA, red, 26.9.2017)