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Formel 1 für Auer "kein Thema"

21. September 2017, 10:40

Kaum Optionen auf ein Cockpit in der Königsklasse – Konzentration auf DTM: "Wenn ich hier abliefere, stehen mir die Türen offen"

Spielberg/Wien – Selten war es so schwer wie heute, in der Formel 1 einen Fuß in die Tür zu bekommen. Für die kommende Saison sind nahezu alle Cockpits vergeben, auch Österreichs Motorsport-Hoffnung Lucas Auer wird daher in der Warteschleife bleiben. Der Tiroler verschwendet derzeit aber ohnehin "keine Gedanken daran, ob ich einmal Formel 1 fahre".

Auer bekräftigte am Mittwoch bei einem Pressetermin in Graz erneut, dass ein möglicher Einstieg für ihn nicht aktuell ist. Zumindest für die kommende Saison sei die Formel 1 für ihn "kein Thema" Er konzentriere sich derzeit ausschließlich auf die vier übrigen Rennen im Deutschen Tourenwagen Masters (DTM) in Spielberg an diesem Wochenende und in Hockenheim.

Türen fallen zu

Das ist wohl auch sinnvoll. Denn durch die Personalien Carlos Sainz und Sergio Perez fielen am vergangen Formel-1-Wochenende wichtige Entscheidungen, deren Auswirkungen die Optionen all jener, die noch auf einen Sitz im nächsten Jahr hoffen, massiv beschneiden.

Sainz wechselt demnächst von der Red-Bull-Talenteschmiede Toro Rosso zum Renault-Werksteam, Perez verlängerte bei Force India. Dadurch gehen die Branchenführer Mercedes, Ferrari, Red Bull und Force India mit unveränderten Paarungen ins neue Jahr, während bei McLaren Fernando Alonso vor einer Vertragsverlängerung steht.

Allgemein erwartet wird, dass Toro Rosso Sainz mit dem 21-jährigen Red-Bull-Junior Pierre Gasly ersetzt, dem GP2-Champion 2016. Ob dies bereits beim nächsten Rennen in Malaysia passiert oder tatsächlich erst im neuen Jahr, ist offen. Bei Sauber steht Pascal Wehrlein vor dem Abschied. Der Rennstall aus Hinwil will die Verbindungen mit Ferrari intensivieren und entweder für Antonio Giovinazzi oder Charles Leclerc einen Sitz räumen. Beide sind Teil des Ferrari-Förderprogramms.

Williams einzige Option

Bei Haas wären Veränderungen eine Überraschung. Der Däne Kevin Magnussen hat einen fixen Vertrag, bei Romain Grosjean gib es die Option auf Verlängerung. Fast alles deutet somit darauf hin, dass es nur ein Team gibt, bei dem demnächst ein Platz zu besetzen sein könnte: Williams. Der bereits vor einem Jahr zurückgetretene Felipe Massa ist noch unentschlossen, ob er eine weitere Ehrenrunde in der Formel 1 dreht. Der Run auf das potenzielle Cockpit hat schon begonnen.

Kandidaten sind neben anderen Jolyon Palmer, Wehrlein und Robert Kubica. Spezielle Job-Anforderung: Getränke-Hersteller Martini, der Hauptsponsor von Williams, besteht angeblich auf einem Fahrer über 25 Jahre, da man Lance Stroll nicht für Werbung einsetzen kann. Der 18-jährige Kanadier darf in vielen Ländern noch keinen Alkohol konsumieren.

Palmer hat einen gewichtigen Fürsprecher: Vater Jonathan, selbst ehemaliger Formel-1-Fahrer, ist mit seiner Firma MotorSport Vision als Rennstrecken-Besitzer und -Betreiber in Großbritannien groß im Geschäft. Zu Williams soll Palmer senior besonders enge Verbindungen haben. Jolyon Palmer, der zuletzt mit Platz sechs in Singapur überraschte, ist 26 Jahre alt. Wehrlein feiert im Oktober seinen 22. Geburtstag.

Kubica vor Test-Einsatz

Kubica wäre eine Comeback-Geschichte, die viel Aufsehen generieren würde. Der Pole hatte eine Vereinbarung mit Renault, bei den Franzosen war er in der Formel 1 vor seinem Crash 2011 unter Vertrag. Nach dem Sainz-Transfer muss sich der 32-Jährige, der sich mit Nico Rosberg einen bestens vernetzten Berater geangelt hat, allerdings umorientieren. Laut den jüngsten Meldungen soll Kubica, nachdem er bereits am Williams-Simulator zugange war, demnächst einen echten Test für das Team aus Grove absolvieren.

Für Auer ist mit den Testfahrten für Force India Anfang August auf dem Hungaroring "ein Traum in Erfüllung gegangen", wie er sagte. Seine Konzentration gilt aber bis auf Weiteres der DTM. "Wenn ich hier abliefere, stehen mir die Türen offen", erläuterte der Tiroler. Auch die Sommer-Testfahrten hätten sich nur dank seines Erfolgs in der Tourenwagen-Rennserie ergeben: "Da habe ich den Hype ausnutzen können."

Für die Zukunft darf Auer auf einen Platz als fixer Testfahrer bei Force India hoffen. Als solcher könnte er in Freitagstrainings oder bei den konventionellen Testfahrten vor und während der Saison zu Einsätzen kommen. Zu Williams hat er keine direkten Kontakte. Mit 23 Jahren würde er zudem dem Wunsch von Martini nach einem älteren Piloten nicht entsprechen. (APA, 21.9. 2017)