Foto: Getty Images

Pelješac-Brücke: Ein Bau, der Kroatien und Bosnien-Herzegowina trennt

21. September 2017, 14:49

Kroatien nimmt den Bau der Pelješac-Brücke in Dalmatien wieder auf. Bosnien droht mit diplomatischen Schritten

Sie soll elegant aussehen – weiße Pfeiler in der blauen Adria und weiße Schrägseile sollen die Straße über die Bucht tragen. Die Pelješac-Brücke wird die nach ihr benannte Halbinsel in Dalmatien mit dem Festland verbinden. Sie soll allerdings nicht verbinden, sondern überbrücken – und zwar das Nachbarland Bosnien-Herzegowina. Denn ein kurzer Küstenstreifen von etwa 14 Kilometern unterbricht an dieser Stelle Kroatien – hier liegt der Ort Neum, der einzige Zugang, den Bosnien-Herzegowina zum Meer hat. Auch EU-Territorium ist dadurch geteilt. Wer von Norden kommend an der Küste nach Dubrovnik fährt, weiß, dass man hier zweimal den Pass herzeigen muss.

Zagreb will deshalb schon seit 2007 die Brücke bauen. Doch das Projekt wurde auf Eis gelegt, nicht nur weil es an Geld fehlte, sondern auch weil das Brückenprojekt die Nachbarn mehr trennt als verbindet. Bosnien-Herzegowina ist gegen den Bau der Brücke, solange die Seegrenze der Nachbarstaaten ungeklärt ist. Es geht auch um zwei Felsen und einen kleinen Teil der Insel Klek, deren territoriale Zugehörigkeit unklar ist.

Aufforderung zum Stopp

Weil nun im Herbst aber die Bauarbeiten wiederaufgenommen werden, hat das Repräsentantenhaus des bosnischen Parlaments eine Deklaration verabschiedet, in der sowohl Kroatien als auch die EU aufgefordert werden, den Bau sofort auszusetzen und Gespräche über eine endgültige Klärung der Seegrenzen zu beginnen. Die EU soll vermitteln. Die EU ist in der Angelegenheit allerdings nicht unbeteiligt, denn die Kommission unterstützt den Bau der Brücke mit 375 Millionen Euro – 85 Prozent der Kosten.

Der Bosniake Bakir Izetbegović, einer der drei Vertreter im bosnischen Staatspräsidium, kritisiert vehement die Tatsache, dass die EU-Kommission Kroatien Geld zum Bau der Brücke zugebilligt hat, ohne vorher mit Bosnien-Herzegowina zu sprechen. Sollte es innerhalb von 60 Tagen keine zufriedenstellenden Lösungen, droht Bosnien-Herzegowina mit rechtlichen und diplomatischen Aktionen gegen Kroatien.

Interne Uneinigkeit

Es wäre aber nicht Bosnien-Herzegowina, wenn man sich nicht auch untereinander uneins wäre. Dragan Čović, der für die bosnischen Kroaten im Staatspräsidium sitzt, steht voll und ganz hinter der Brücke, ganz so, als wäre er eigentlich ein Vertreter des Nachbarstaats. Er bekommt dafür im Gegenzug Unterstützung von der kroatischen Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarović, wenn es um die Änderung des Wahlgesetzes geht, die Čović und seiner HDZ nützen würde. Das Problematische daran ist, dass beide – Čović und Grabar-Kitarović – sich aus völkisch-nationalen Gründen füreinander starkmachen. "Ethnische Allianzen" über die Staatsgrenzen hinweg waren aber für Bosnien-Herzegowina schon immer kontraproduktiv.

In Sarajevo äußert man zudem die Sorge, dass große Schiffe, die nach Neum fahren möchten, möglicherweise die Brücke nicht passieren könnten, weil sie zu niedrig sei, was aber wenig stichhaltig ist, denn Neum ist viel zu klein, um dort überhaupt einen großen Hafen errichten zu können. Der kroatische Premier Andrej Plenković meinte nun, dass die Brücke trotz aller Kritik der Nachbarn gebaut werde, Kroatien aber einen Dialog mit Bosnien-Herzegowina führen werde. Die Vereinbarung zu offenen Grenzfragen wurde zwischen den Nachbarn 1999 getroffen, aber niemals ratifiziert. Die bosnische Seite droht nun damit, diese aufzukündigen. (Adelheid Wölfl, 21.9.2017)