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Studie: Kinder lernen Durchhaltevermögen am Vorbild

22. September 2017, 06:00

Sich anstrengen, dranbleiben und nicht gleich aufzugeben – das schauen sich Kinder einer Studie zufolge bei Erwachsenen ab. Zumindest bei den hartnäckigen unter ihnen

Cambridge (Massachusetts) – Wer sich anstrengt, wird belohnt. Diese Botschaft können schon kleine Kinder allein durch Zuschauen lernen. Sie geben sich nämlich mehr Mühe, ein Ziel zu erreichen, wenn sie zuvor Erwachsene beim mühsamen Meistern einer Herausforderung beobachtet haben. Das fanden US-Forscher bei Experimenten mit 13 bis 18 Monate alten Kleinkindern heraus.

Durchhaltevermögen zahlt sich aus

Erwachsene zu beobachten sei nicht die beste oder einzige Möglichkeit, Hartnäckigkeit zu lernen, schreiben sie im Fachblatt "Science". Aber es zahle sich womöglich aus, wenn Kinder Erwachsenen dabei zusehen, wie sie ins Schwitzen kommen. Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen würden in vielen Kulturen hoch geschätzt, so Julia Leonard und ihre Mitarbeiter vom Massachusetts Institute of Technology (MIT). Studien hätten gezeigt, dass diese Eigenschaften unabhängig vom Intelligenzquotienten mit dem akademischen Erfolg eines Menschen zusammenhängen. Bisher sei allerdings unklar, ob das Durchhaltevermögen von Kindern durch die Erwachsenen in ihrem Umfeld beeinflusst wird.

Um das zu prüfen, führten die Wissenschafter mehrere Experimente durch. Sie ließen einen Erwachsenen vor den Augen eines Kleinkindes eine Aufgabe bewältigen. So mussten die Probanden zum Beispiel ein Spielzeug aus einer Box holen oder eine kleine Kuh von einem Karabiner fummeln. In der einen Testgruppe – die der Hartnäckigen – probierten die Erwachsenen eine Weile herum und scheiterten zunächst, bevor sie schließlich zum Ziel kamen. In der zweiten Gruppe – die der Mühelosen – erreichten die Erwachsenen im gleichen Zeitraum dreimal ohne jede Anstrengung das Ziel.

Eindeutiges Ergebnis

Dann bekamen die Kinder selbst einen Aufgabe: Sie sollten ein Musikspielzeug in Gang setzen. Das Spielzeug hatte einen Knopf, der allerdings nicht funktionierte, sodass die Kinder kein Erfolgserlebnis haben konnten. Es ging lediglich darum zu testen, wie hartnäckig sie es probieren würden. Das Ergebnis war eindeutig: Die Kinder, die zuvor Erwachsene beim Scheitern und erneuten Probieren beobachtet hatten, gaben sich mehr Mühe und drückten häufiger den Knopf. Am eifrigsten waren die Kinder, wenn die Erwachsenen sie beim Test zuvor einbezogen hatten, also zum Beispiel mit ihnen gesprochen hatten, etwa "Ah, schau mal, hier ist was drin. Hm, wie bekomme ich das da heraus?".

Die Ergebnisse zeigten, dass Kinder verstünden, dass sich harte Arbeit auszahlt und dass sie diese Erkenntnis für sich selbst nutzen. Inwieweit die Ergebnisse auf andere Situationen und Zusammenhänge im Leben übertragbar seien, müsse weiter erforscht werden, schreiben die Forscher. Unklar sei zum Beispiel, ob sich die Kinder zum Beispiel ähnlich verhalten hätten, wenn die Aufgaben der Erwachsenen schwerer zu durchschauen gewesen wären. Interessant wäre den Forschern zufolge auch, ob die Kinder sich auch dann mehr angestrengt hätten, wenn die Erwachsenen an ihrer Aufgabe trotz hartnäckiger Versuche gescheitert wären. (APA, red, 22.9.2017)