Jedes Schriftl a Giftl: Wie Kern zur Prinzessin wurde

21. September 2017, 16:44

Die an Tal Silberstein adressierte Mail, in der das "Glaskinn" von Christian Kern angesprochen wurde, ist nicht die einzige seltsame Enthüllung

Wien – Als Wahlkampf wird laut Wikipedia im engeren Sinn das direkte Werben von Parteien um Stimmen vor einer Wahl bezeichnet. Abseits der inhaltlichen Auseinandersetzung wird der aktuelle Wahlkampf unter dem Motto "Jedes Schriftl ein Giftl" vor allem über die Veröffentlichung interner Papiere geführt, die den politischen Mitbewerber in Misskredit bringen sollen.

Zuletzt traf es die SPÖ. Tal Silberstein gilt international als Experte für Negativkampagnen. Der Wahlkampfberater hatte für die SPÖ in den vergangenen Monaten Fokusgruppen betreut, Umfragen erstellt und daraus Strategien bis hin zu Wahlkampfslogans ("Holen Sie sich, was Ihnen zusteht") mitentwickelt, ehe er Mitte August in Israel im Zusammenhang mit Korruptions- und Geldwäschevorwürfen gegen einen seiner Geschäftspartner festgenommen und von der SPÖ deshalb gefeuert wurde.

Anfang September tauchten im "Profil" und der "Kronen Zeitung" schließlich zahlreiche Mails Silbersteins mit pikanten SPÖ-Interna auf. Von Aufträgen für Negativvideos gegen ÖVP-Spitzenkandidat Sebastian Kurz und internen Stärke-Schwächen-Analysen von verschiedenen SPÖ-Politikern ist darin die Rede.

Kern habe "mangelnde Erfahrung"

Am Donnerstag veröffentlichte die Tageszeitung "Österreich" eine der Mails an Silberstein, die von einem ehemaligen SPÖ-Mitarbeiter verfasst worden sein soll und in der SPÖ-Chef Christian Kern als politisch unerfahren, sprunghaft, eitel und "Prinzessin" mit "Glaskinn" beschrieben wird. Die SPÖ distanzierte sich von Silberstein und betonte, dass Negativvideos gegen Kurz nicht direkt von der Partei beauftragt und auch nur für interne Zwecke hergestellt worden seien. Und die SPÖ übte mit dem Hinweis, dass es sich um gehackte und missbräuchlich verwendete Daten handle, generell heftige Kritik an der Veröffentlichung der Silberstein-Papiere.

Die Mails könnten von einer ehemaligen Mitarbeiterin des früheren SPÖ-Beraters weitergegeben worden sein, wird in SPÖ-Kreisen vermutet. Sie hatte für Silberstein Übersetzungsarbeiten getätigt und soll auch über gute Kontakte zu ÖVP und Neos verfügen, heißt es SPÖ-intern. Die ÖVP hatte der SPÖ im Zuge der Veröffentlichung wiederholt Dirty Campaigning gegen Kurz vorgeworfen. Heftige Kritik an den Silberstein-Aktivitäten in der SPÖ gab aus auch von den Freiheitlichen. (APA, 21.9.2017)