, Michael Völker

Mercedes-Benz E 400 Coupé gegen BMW 440i Gran Coupé

Einmal ganz und gar klassisches Coupé, einmal nur der Silhouette nach, mit vier Türen und Heckklappe, und beide greifen auf Drei-Liter-Sechszylinder zurück – allerdings V6 versus Reihensechser

Wien – Das Coupé ist gewissermaßen die Königsklasse im Automobilbau, der Schönheitscontest der Hersteller. Das Praktische und Funktionelle wird der Form und der Eleganz untergeordnet. Das Design ist jedenfalls wichtiger als die Platzverhältnisse, im Idealfall wird beides unter ein Dach gebracht. Und sportlich muss ein Coupé auch sein, sonst ist es eine Mogelpackung. Im klassischen Sinn ist das ein zweitüriger Wagen, unser Vergleich daher nicht ganz stimmig, weil der BMW schon einmal vier Türen hat. Sprich Gran Coupé. Mit dem 4er zeigt BMW, wie gut sich auch vier Türen in die schlanke Silhouette eines Coupés integrieren lassen, dazu gibt es dank Heckklappe auch extra Platz im Kofferraum.

Der BMW hat eine ordentlich große Heckklappe.
foto: andreas stockinger

Das E-Klasse-Coupé von Mercedes ist dagegen ganz stilsicher, dafür auch mit Nachteilen. An sich ist das Coupé für zwei Personen gedacht, die hinteren Sitze führt man üblicherweise nur unbenützt spazieren. Wenn man doch Passagiere mitnimmt, dann haben die es hinten recht kuschelig, die Platzverhältnisse sind beengt.

Die feinen Linien des Benz
foto: guido gluschitsch

Im Mercedes wird eine gewisse Gelenkigkeit beim Einsteigen und Einschlichten auf den hinteren Plätzen vorausgesetzt, im BMW geht das hingegen ohne Turnübungen.

Im Mercedes ist beim Platznehmen auf den hinteren Plätzen die Gelenkigkeit eines Bodenturners gefragt.
foto: guido gluschitsch

Fesch sind beide außerordentlich. Und dazu noch über das gewohnte Maß hinaus sportlich. Sowohl der Mercedes als auch der BMW werden in unserem Vergleich von einem Sechszylinder mit drei Liter Hubraum angetrieben, 333 PS sind es bei der E-Klasse, 326 PS im 440er, und Allrad ist auch bei beiden an Bord.

Der Innenraum der E-Klasse.
foto: guido gluschitsch

Grundsätzlich lassen sich beide Coupés sehr entspannt fahren, die Rasanz der Fortbewegung wird erstens durch die zu wählende Fahrzeugeinstellung und zweitens durch die Ambition der Fahrerin, des Fahrers hervorgerufen. In den Sportmodi-Einstellungen scheint in beiden Fällen ein Abzweigen auf die Rennstrecke angebracht, da geht es recht forciert zur Sache.

Der BMW bringt vier Türen unters Coupé-Dach.
foto: andreas stockinger

Auch wenn die Leistungsdaten der beiden Fahrzeuge ganz ähnlich sind, fällt auf, dass sich der BMW eine Spur härter und sportlicher anfühlt, der Mercedes über die lange Strecke dagegen komfortabler wirkt.

Der Innenraum des BMW.
foto: andreas stockinger

Der BMW ist einen Tick dynamischer, das Fahrwerk noch straffer, die Lenkung ganz direkt, die Rückmeldung von der Straße sehr unmittelbar. Was Leistung und Fahrverhalten betrifft, geht einem im Mercedes nichts ab, erst im direkten Vergleich merkt man, dass man im E-Coupé im Alltag einen Hauch entspannter sitzt und mit leichterer Hand ans Lenkrad greift.

Wer die sportliche Ambition über den Komfort stellt, wird im BMW sein Glück finden, wer die Leistungsreserven schätzt, das Leben aber etwas gemütlicher angeht, wird sich im Mercedes wohler fühlen. Weniger Türen kosten übrigens mehr Geld, teuer sind leider beide. (Michael Völker, 27.9.2017)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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