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Zyklustracker: Die Regel regeln

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24. September 2017, 15:00

Die App Clue macht den weiblichen Zyklus noch vorhersehbarer. Das hat Vor- und Nachteile. Ich habe getestet

Motivation, Sex, Blutung, Stimmung – das sind nur ein paar der Kategorien, über die ich seit einiger Zeit quasi Tagebuch führe. Das funktioniert mit der App Clue. Sie soll mir am Ende mehr Einblicke in meine Gesundheit geben, meine Menstruation und meinen Gemütszustand vorhersehbarer machen.

In den ersten Tagen funktioniert das ganz gut. Ich bin überrascht davon, was sich in Clue so alles eintragen lässt. Die Kategorien kann ich selbst bestimmen, es sind mehr als 30 – Stuhlgang, Ausfluss, Party, Heißhunger, Sozialleben gehören ebenfalls dazu.

Das Programm hinter der App erstellt dann Prognosen: Wann kommt meine Periode, wann mein PMS (Prämenstruelles Syndrom), wann sind meine fruchtbaren Tage, wann kippt meine Stimmung? Wenn ich das will, werden zuvor auch Erinnerungen verschickt. Nach einiger Zeit kennt die App mich genauer als ich mich selbst. Ich weiß jetzt, wie mein Körper sich zu einer bestimmten Zeit im Monat verhalten wird.

Schlechte Grundstimmung

Und hier beginnt mein Problem. Die App sagt mir: Heute hast du PMS, übersetzt heißt das in meinem Fall, ich bin unmotiviert, sensibel und müde. Dass so ein Tag nicht fröhlich wird, steht also schon morgens fest. Dazu kommt, dass ich an manchen Tagen einfach auf die App-Einträge vergesse. Macht man es gründlich, ist es aufwendig und beansprucht viel Zeit.

Die positiven Aspekte: Ich setzte mich jetzt mehr mit meinem Körper auseinander und kann beim Frauenarzt-Termin sämtliche Details über meinen Zyklus auspacken. Zudem erinnert einen die App daran, regelmäßig die Brüste abzutasten – natürlich zur richtigen Zeit im Zyklus –, Verhütungsmittel zu nehmen sowie Hygieneprodukte zu kaufen.

Eine Funktion allerdings – die vor allem für einen offeneren Dialog über das Thema Menstruation in der Gesellschaft sorgen soll –, auf die verzichte ich doch lieber: Immer wieder schlägt mir die App vor, meinen Zyklus mit Freunden und Familie zu teilen. Das bleibt vorerst noch meine Sache. (Bernadette Redl, 24.9.2017)