Foto: Twentieth Century Fox

"Kingsman": Gefangen in der Quadratur des Kreises

23. September 2017, 13:00

Die Agentenkomödie setzt auf Brutalitäten und Pointen

Wien – Wenn der britische Agent Eggsy Unwin (Taron Egerton) mit dem Feind auf Tuchfühlung geht, wird sein feiner Zwirn auf Reißfestigkeit getestet. Doch Mann und Material halten sämtlichen Angriffen stand: Eggsy ist nämlich nicht nur einer jener praktisch unverwundbaren Helden, wie sie im Comicbuch stehen, sondern auch Mitglied der zum Schutz der britischen Nation von Adelshäusern gegründeten Organisation Kingsman. Und weil Adel bekanntlich verpflichtet, sitzen bei Eggy selbst nach der wildesten Verfolgungsjagd Stecktuch und Scheitel noch perfekt.

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Nach der Comicverfilmung Kingsman: The Secret Service, die sich vor drei Jahren mäßig erfolgreich als Bond-Persiflage versuchte, folgt nun also mit Kingsman: The Golden Circle das entsprechende Sequel. An das Vorbild der Agentenkomödienreihe wird man auch diesmal gleich zu Beginn ziemlich aufdringlich erinnert, wenn Eggy in seine Mission startet: Flugs verwandelt sich sein Fahrgerät zu Wasser und zu Lande, gibt es einen Bösewicht, der seine Armprothese nicht im Griff hat, und werden auch noch die Vorsitzenden im Hauptquartier buchstäblich ausgelöscht.

Dahinter steckt die sich im Dschungeldickicht versteckende, gemeingefährliche Drogenbossin Poppy (Julianne Moore in einer ihrer undankbarsten Rollen), die allen Süchtigen der Welt einen ganz fiesen Cocktail ins Blut mischt. Und nur deshalb, weil sie selbst das Gegenserum besitzt, mit dem sie den nicht minder machtversessenen US-Präsidenten zu erpressen versucht. Womit der im Moment im Kino grassierende, so obligate wie einfältige Trump-Seitenhieb auch erledigt wäre.

Reiner Schauwert

Nun ist für eine Figur wie den Nachwuchsspion Eggsy die popkulturelle Nische zwischen dem überspannten Austin Powers und den herzigen Spy Kids relativ eng. Um diese dennoch zu füllen, konzentriert sich Kick Ass-Regisseur Matthew Vaughn 140 Minuten lang also lieber auf den reinen Schauwert, der von Poppys im 50er-Jahre-Retrostil eingerichteten Dschungelcamp bis zu den im Cowboylook aufmarschierenden Kingsman-Kollaborateuren in Kentucky reicht, die sich als Statesman hinter einer Whiskydestillerie verstecken. Das verhilft immerhin Jeff Bridges, Halle Berry und Channing Tatum zu Gastauftritten im All-Star-Cast.

Dass sich die lustvoll zelebrierten Brutalitäten mit den Pointenschleudern nicht vertragen würden – Poppy dreht ihre Widersacher gerne durch den Fleischwolf und gönnt sie sich als Burger -, ist jedoch weniger das Problem dieses Films, als dass The Golden Circle aus seiner Quadratur des Kreises nicht und nicht herausfindet. Und wohl auch deshalb erst nach knapp zweieinhalb Stunden zu einem Ende kommt. (Michael Pekler, 23.9.2017)

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