Chile: Bischof will von Mapuche besetze Kathedrale nicht räumen lassen

22. September 2017, 16:38

Aktivisten in der Bischofskirche von Concepcion treten in Hungerstreik

Concepcion – In der chilenischen Stadt Concepcion haben Angehörige politischer Häftlinge aus dem indigenen Mapuche-Volk aus Protest gegen die Regierung die Kathedrale besetzt – und erhalten in ihrem Anliegen Unterstützung vom zuständigen Ortsbischof.

Es sei ein "grundlegendes Problem", dass die Mapuche zu wenig Anerkennung in der Verfassung hätten, dass ihre Kultur nicht respektiert werde und dass das Problem der Landrechte ungelöst sei, sagte Erzbischof Fernando Chomali laut Kathpress unter Berufung auf Angaben der vatikanischen Nachrichtenagentur "Fides" am Freitag in Richtung Behörden. Es sei "an der Zeit, sich damit ernsthaft zu befassen".

Die Aktivisten haben am Donnerstag die Bischofskirche von Concepcion besetzt und waren dabei auch in Hungerstreik getreten, um die Öffentlichkeit auf die Diskriminierung ihres Volkes aufmerksam zu machen. Erzbischof Chomali zeigte sich über Twitter bereit, zwischen den Protestierenden und den lokalen Behörden zu vermitteln. Die Besetzung sei abgesprochen und man werde die Polizei auf keinen Fall bitten, die Aktivisten zu entfernen, sagte er. Da bisher kein Prozess eingeleitet worden sei, befänden sich die Angehörigen der Protestierenden immer noch in Untersuchungshaft.

Die besetzte Kathedrale

In einer anderen chilenischen Provinz – in La Araucania – waren zu Wochenbeginn zwei katholische und eine evangelische Kirche Ziel von Brandstiftern geworden, wobei die Ermittler in der Nähe der Tatorte Bekennerschreiben von Mapuche-Angehörigen gefunden hatten. In der Vergangenheit waren Anschläge oft damit begründet worden, dass Kirchenvertreter mitverantwortlich für Repressionen gegen das Mapuche-Volk seien. Zugleich gilt die katholische Kirche jedoch auch als Verteidigerin der Mapuche-Rechte im Landrechtskonflikt; Erzbischof Chomali hatte 2014 bereits einmal zwischen dem Volk und der Regierung vermittelt.

Die Mapuche sind die Ureinwohner im Süden von Chile und Argentinien und gehören zum ärmsten und am wenigsten gebildeten Teil der Bevölkerung. Nach der chilenischen Unabhängigkeit 1818 begann in den 1860er Jahren ihre Entrechtung: Einmarsch der Armee, Enteignung, Niedergang der indigenen Tradition und Sprache. Erst vor einigen Jahren setzte bei den Mapuche eine Rückbesinnung auf die eigene Kultur und Identität ein. Eine kleine Minderheit radikalisierte sich. Papst Franziskus wird im Jänner Chile besuchen. (APA, 22.9.2017)