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Austropop verstehen: Fendrich erklärt seine Hits in "News"

Kolumne |
24. September 2017, 10:00

Da las er in einer "Frauen"-Zeitschrift: "Der Softie ist out, der Macho ist in", und schon war das Lied über die Frage, was Frauen an Männern mögen (oder nicht), in einer halben Stunde geschrieben

Was mag Ludwig van Beethoven gefühlt haben, als er die Mondscheinsonate schrieb? Graute Mozart vor Migrantenströmen, als er Alla turca komponierte? Hatte Schubert Gusto auf Fisch, als er die Forelle vertonte? Nie werden wir Gewissheit haben. Umso tröstlicher, dass "News" uns eine solche in Bezug auf Rainhard Fendrich verschaffte. Dort verrät er exkluxiv, was er damals dachte und fühlte, als er die sechs berühmtesten Songs aus dem Musical "I am from Austria" schrieb. Das Projekt, dem der Künstler anfangs sehr skeptisch gegenüberstand, da es ja schon eine Reihe ähnlicher Musicals mit unterschiedlichem Erfolg gibt, besteht zwar aus 21 seiner Songs, aber was Fendrich bei den restlichen 15 Songs gedacht und gefühlt hat, wollte das Magazin nicht wissen.

Das ist schade, weiß doch die Austropop-Ikone: Wenn ich meine alten Lieder singe, stelle ich mir selbst oft die Frage: "Wie bist du darauf gekommen, was hast du dir damals dabei gedacht?" So lässt sich erst ermessen, was an Gedächtnisleistung mit der Beschränkung auf sechs Lieder den Leserinnen und Lesern verlorengeht beziehungsweise zum Schaden der Musikgeschichte verborgen bleibt. Klar, einige Songs entstanden vor einem Vierteljahrhundert. Da gerät die zündende Idee gerne mal in Vergessenheit. Das ist einem Johann Sebastian Bach sicher auch nicht anders ergangen, wenn man von der Kaffeekantate absieht. Bei manchem, so Fendrich, weiß ich es aber noch ganz genau, wie zum Beispiel bei "Macho, Macho".

Da las er in einer "Frauen"-Zeitschrift: "Der Softie ist out, der Macho ist in", und schon war das Lied über die Frage, was Frauen an Männern mögen (oder nicht), in einer halben Stunde geschrieben. Das war einfach notwendig, wenn auch vergebliche Mühe, denn der "Gockel" stirbt nicht aus. Was ebenso zu Gedanken über den Einfluss der Musik auf die Gesellschaft anregen könnte wie "Es lebe der Sport". Auch auf diesem Gebiet bleibt alles gleich. Schon im alten Rom hieß es: "Brot und Spiele". Je gefährlicher und brutaler eine Sportart ist, umso größer die Begeisterung, meist bei Leuten, die selber den Hintern nicht hochbekommen. Daran hat sich in 2000 Jahren nichts geändert.

Keine Hetzjagd gegen Italien

Vor Fehlinterpretationen von "Strada del Sole" lässt uns der Autor eine Warnung zukommen. Der Song war nie als Hetzlied gegen Italien gemeint, sondern mehr wie Qualtingers "Herr Karl", der die österreichische Seele widerspiegelte. Ich habe diese Worte einem "Loser" in den Mund gelegt, dessen Freundin mit einem feschen Südländer abgehauen ist. "Er" pfeift auf Italien, nicht der Autor. Wie man das missverstehen konnte, ist rätselhaft, dennoch: Die Ironie dieses Liedes wird oft heute noch nicht wirklich erkannt, und wer weiß, ob der Fall bei "Blond" nicht ähnlich liegt? Es ist eigentlich ein "Protestlied" im Schlagermantel. Man muss den Text hören, dann erfährt man, dass hier die Männer die Dummen sind. Die Musik allein erklärt das nicht. Zu "Tango Korrupti" muss man nicht viel sagen. Da braucht es keinen Text, es reicht ein Wort: "Abfangjäger" . Klarer ist die Lage bei "Nix Is Fix" - Konflikt der Generationen, schon wieder ein uraltes Thema, daran hat sich in 2000 Jahren nichts geändert. Nein, schon länger nicht.

Nach dieser geballten Information über das, was die Austropop-Ikone im Augenblick des Musenkusses dachte und fühlte, die wir nur der Neugier von "News" verdanken, die Enttäuschung. Bei "Weus'd a Herz hast wia a Bergwerk" weiß ich es wirklich nicht mehr. Ich wollte nur ein neues Bild schaffen, das zu Beginn Verwirrung stiftete, weil niemand damit etwas anfangen konnte. Eine bestimmte Person, für die ich es geschrieben habe, gibt es nicht, und wenn es sie gab, habe ich sie vergessen. Bedauerlich, aber es wird nicht das einzige Rätsel der Musikgeschichte bleiben.

Für dieselbe Nummer von "News" traf sich übrigens Eva Dichand mit Peter Pelinka im Café-Bistro La Mercerie, aber es geht aus dem Text nicht klar hervor, warum. Ihre medienpolitischen Weisheiten können es nicht gewesen sein. Vielleicht ist es die Selbsteinschätzung der Geschäftsführerin von "Heute". "Wir sind vor allem auch deshalb am Wiener Markt klar voran, weil wir viel sympathischer wahrgenommen werden." Ohne den Hauptkonkurrenten zu erwähnen, ist klar, wen sie meint.

Bei der Wahl zwischen "Heute" und dem unerwähnten, aber klar gemeinten Hauptkonkurrenten fällt die Wahl je nach Sympathie schwer. Aber wenigstens sind sie beide umsonst. (Günter Traxler, 24.9.2017)