Foto: CBS Interactive

"Star Trek: Discovery": Sternstunde für die Sternenflotte

23. September 2017, 18:00

Fünfzig Jahre nach Kirk & Co: Mit "Star Trek: Discovery" erfährt am Sonntag eine der populärsten Serien der Science-Fiction ihren Reboot

Wien – "Das Fernsehen in den Vereinigten Staaten ist schrecklich empfindlich. Man kann eigentlich über nichts schreiben, das wirklich zählt. Sie schneiden es einem raus. Ich dachte also an Jonathan Swift. Als er über betrügerische Premierminister und verrückte Monarchen schreiben wollte, verlegte er alles nach Liliput."

Als der ehemalige US-Kampfpilot Gene Roddenberry Anfang der 1960er-Jahre seine Idee für eine Fernsehserie entwickelte, machte ihn die Not erfinderisch, noch nicht ahnend, dass er damit die wahrscheinlich beste Idee seines Lebens hatte: Um "über Vietnam, Intoleranz und jene Dinge zu sprechen, an die ich glaube", so Roddenberry, verlegte er den Schauplatz einfach in das Weltall der Zukunft – in Galaxien, "die nie ein Mensch zuvor gesehen hat", wie es in der deutschen Synchronisation zu den Eröffnungscredits von Star Trek heißen sollte,

Keine weißen Flecken

Tatsächlich bot sich das Weltall schon immer als fantastischer Raum für Ideen an. Nicht nur im literarischen Europa, wo zur selben Zeit gerade Pierre Boulle seinen Planet der Affen (1963) ersann, sondern vor allem in der Populärkultur im Nachkriegsamerika der 1960er-Jahre. Denn sollte auch der letzte weiße Fleck auf der irdischen Landkarte getilgt worden sein – hier war man mit einer bemannten Mondlandung tatsächlich im Begriff, Jules Vernes Zukunftsvisionen Wirklichkeit werden zu lassen. Weshalb es auch in dem sich im Höhenflug befindenden Medium Fernsehen nur eine Richtung geben konnte: hinaus in die unendlichen Weiten.

Wenn also am Sonntag auf CBS ziemlich genau fünfzig Jahre nach der Erstausstrahlung mit Star Trek: Discovery wieder der Warp-Antrieb angeworfen wird, geht eine der erfolgreichsten Science-Fiction-Serien der Fernsehgeschichte in die Verlängerung – und führt zugleich zurück in die Zeit vor der Originalserie (1966-1969), zehn Jahre bevor Captain Kirk und Mister Spock auf ihre Fünf-Jahres-Mission mit der Enterprise entsandt wurden.

Der Feind in den ersten Folgen ist deshalb auch ein guter Bekannter, der auch seine eigene, wiewohl untertitelte Sprache sprechen darf: Das klingonische Reich hat die Föderation nach hundertjährigem Frieden angegriffen. Es herrscht Krieg. Vor diesem Hintergrund entdeckt die USS Shenzhou – mithin das Vorläufermodell der USS Enterprise – ein unbekanntes Objekt, woraufhin der erste Offizier Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) losgeschickt wird, um dieses näher zu untersuchen.

So geheimnisvoll wie dieses ist auch der Umgang der Serienmacher mit Details der Story, die sich zunächst über 15 Episoden erstrecken soll. Was im Vorfeld jedoch schon klar ist: Mit Martin-Green und der das Schiff lenkenden Michelle Yeoh als Captain Philippa Georgiou liegen die Geschicke der Shenzhou ausnahmslos in weiblichen Händen. Die Besetzung zweier Hauptrollen mit einer afroamerikanischen und einer chinesischen Schauspielerin – Yeoh ist zudem seit zwanzig Jahren einer der bekanntesten asiatischen Filmstars – ist jedenfalls mehr als bloß zeitgemäß: Sie zeugt auch von jenem interkulturellen Geist, der bereits die Originalserie auszeichnete.

Gott und die Welt

Denn Star Trek ist ein Universum, das sich seit Jahrzehnten ausdehnt, seine Wurzeln über mehrere Fortsetzungen und Kinofilme hinweg aber nie aus den Augen verloren hat. Das liegt auch daran, dass dieses Universum selbst im Blockbusterzeitalter der 80er-Jahre relativ langsam angewachsen ist. Roddenberrys erster Staffel, die es auf 79 Folgen brachte, war nämlich keineswegs von Beginn an der große Durchbruch beschieden, vielmehr hielt sich der Zuspruch in Grenzen.

Star Trek erreichte sein Fanpublikum ("Trekkies") erst über die Jahre hinweg dank seiner Wiederholungen im Fernsehen, seiner Ausweitung auf die Kinoleinwand ab den späten 70er-Jahren – mittlerweile auf dreizehn Filme angewachsen -, vor allem aber seiner Folgeserien The Next Generation, Deep Space Nine und Voyager. Videospiele, Romane, Comics runden heute das wertschöpfende Franchise ab.

Nicht zuletzt dieses kontinuierliche Heranwachsen unterscheidet die Saga der Sternenflotte von seinem unmittelbaren Gegenüber, dem von George Lucas ersonnenen Star Wars-Unternehmen der Sternenkrieger: Während Lucas als Produzent für sein Weltraumspektakel auf eine avancierte Technik setzte und dafür die unterschiedlichsten Motive, Figuren und Genres aus Mythologie und Popkultur plünderte, blieb Star Trek stets das philosophisch-intellektuelle Pendant, in dem man sich die aufgeklärt-humanistischen Fragen über Gott und die Welt letztlich selbst stellte. Wenn auch in dem von William Shatner inszenierten Kinofilm Star Trek V: Am Rande des Universums (1989) einmal direkt an den vermeintlich Allmächtigen ("Wozu braucht Gott ein Raumschiff?").

Dieser wird in Star Trek: Discovery vermutlich keine Rolle spielen. Aber wo der wohnt, weiß man ja ohnehin. (Michael Pekler, Erster Offizier: Roman Gerold, 23.9.2017)

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Ab 25. 9. auf Netflix