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"Ich mag den Kleinmann immer noch"

22. September 2017, 17:43

Nach 55 Jahren im Volleyball, die letzten 16 als Verbandspräsident, tritt Peter Kleinmann ab. Hannes Kronthaler war sein "Ziehsohn", Spieler, Stellvertreter, Gegner und erbitterter Widersacher. Nun zieht Kronthaler Bilanz über die Ära Kleinmann

Wien – Bei 1984 denken die meisten Menschen an George Orwell oder David Bowie. Hannes Kronthaler denkt an Peter Kleinmann. 1984 wurde Kronthaler als 19-jähriges Tiroler Talent von Kleinmann, dem Trainer des jahrelang übermächtigen Wiener Vereins, der damals Donaukraft hieß, in die Hauptstadt geholt. "Den Trainer Kleinmann hab’ ich vier Jahre lang genossen", sagt Kronthaler, "den Klubchef und Verbandspräsidenten Kleinmann noch viel länger." In jeder Funktion, sagt Kronthaler, sei Kleinmann "davon überzeugt gewesen, dass er einer der Besten ist. Oft hat er damit recht gehabt. Immer nicht."

Am Samstag zieht sich Peter Kleinmann, seit einer Woche 70, von der Volleyballbühne zurück, die er 1962 als Spieler betrat. Das Präsidentenamt im Verband (ÖVV) übergibt er an Gernot Leitner, der wie Kronthaler unter ihm gespielt hat. Der Salzburger Leitner, der in Wien Architektur studierte, ist Gründer und General direktor der Masterconcept GmbH, er war in die – gescheiterten – Olympiabewerbungen Salzburgs für 2010 und 2014 involviert, hat die Veranstalter der Winterspiele 2014 (Sotschi) beraten und berät die Veranstalter der Winterspiele 2022 (Peking).

Kleinmann freut sich über "einen so geeigneten Nachfolger", Kronthaler pflichtet ihm bei. Die beiden sind nicht immer einer Meinung gewesen. Bei Kronthalers Hochzeit war Kleinmann vom Bräutigam zwar als "mein Papa aus Wien" vorgestellt worden, und Kleinmann hatte Kronthaler als "Ziehsohn" bezeichnet. Doch im Lauf der Jahre sind sich der Papa und der Bub immer öfter in die Haare geraten.

Mag sein, das hatte vor allem damit zu tun, dass Kronthaler nach einer herausragenden Spielerkarriere zurück nach Tirol ging, den dortigen Verein übernahm und etablierte. Die Duelle zwischen Wien und Innsbruck beschränkten sich selten aufs Sportliche, bald gab es auch abseits des Spielfelds Wickel, wie sie Kleinmann stets mit Herausforderern gehabt hatte – Volleyballer mit Langzeitgedächtnis denken an Möma oder an Salzburg zurück.

"Der Peter hat halt oft gemeint, er kann tun, was er will", sagt Kronthaler. "Und ich war der Einzige, der ihm dagegengeredet hat." Ein echtes Zerwürfnis gab es 2010, da trat Kronthaler als Vizepräsident des Verbands und also Kleinmanns zurück. Beide schlossen eine Versöhnung aus.

Die Versöhnung

Kürzlich haben sie einander die Hand gereicht. Kronthaler: "Wir haben ja nie wirklich gestritten. Ich weiß, er hat mich immer mögen, er weiß, ich hab ihn immer mögen. Und ich mag den Kleinmann immer noch." Dabei gab es vor wenigen Monaten noch einen Wickel, in dessen Folge die Tiroler der Meisterschaft den Rücken kehrten und in die deutsche Liga wechselten. Dem liegt laut Kronthaler auch zugrunde, dass es in Wien keinen erstklassigen Verein mehr gibt. "Volleyball in Wien", sagt Kronthaler, "hat der Peter richtig hinaufgebracht. Aber halt auch wieder hinunter."

Sei’s drum. "Ohne Kleinmann wäre Volleyball bei uns nicht das, was es ist." Kronthaler sagt, Kleinmann könne stolz sein – auf viele Großevents, die er nach Österreich holte, auf Erfolge, darunter 18 Meistertitel, 14 Cupsiege und eine Final-4-Teilnahme in der Champions League mit den HotVolleys, aber auch Medaillen im Beachvolleyball wie zuletzt Silber von Clemens Doppler und Alexander Horst bei der WM in Wien. Wenn Kleinmann am Sonntag in Wien seine, wie er sagt, "Freiheit" feiert, wird Kronthaler, der derzeit urlaubt, fehlen. "Aber wir werden bald auf ein Bier gehen", sagt Hannes Kronthaler. "Weil es ein Leben nach dem Volleyball gibt." (Fritz Neumann, 22.9. 2017)