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Bei Enterich-Penissen kommt es doch auf die Länge an

22. September 2017, 19:23

Schon lange meinten Evolutionsbiologen, dass die Länge der Erpelgenitalien vom sozialen Umfeld beeinflusst wird – nun gelang der Nachweis

South Hadley / Wien – Das Liebesleben der Enten ist ja alles andere als aufregend – aus menschlicher Sicht sogar ziemlich brutal, wenn auch von kurzer Dauer. Der Erpel der aus Parks bekannten Stockenten besteigt das Weibchen, drückt es unter Wasser. Das Spiel wiederholt sich mehrfach.

Was man als Beobachter wohl eher nicht bemerkt: Aus der sogenannte Kloake, der gemeinsamen Körperöffnung für Verdauungs- und Geschlechtsorgane, wird ein Penis herausgestülpt – Ähnliches geschieht bei Gänsen oder den flugunfähigen Laufvögeln wie Sträußen oder Emus. Das imposanteste Geschlechtsteil unter diesen Vögeln wurde bei der Schwarzkopfruderente entdeckt, das eine Länge von zwanzig Zentimetern und mehr erreichen kann.

Größer durch Konkurrenz gefördert

Wissenschafter hegten schon länger den Verdacht, dass die Penislänge bei Enten von der Konkurrenz beim Paarungserfolg gefördert wird. Die Evolutionsbiologin Patricia Brennan vom Mount Holyoke College in Massachusetts untersuchte die These mit ihren Kollegen bei zwei unterschiedlichen Arten über zwei Jahre: bei der Schwarzkopfruderente, die sehr häufig Partnerwechsel betreibt, und bei der Veilchenente, die auch kleine Bergente genannt wird, bei der es saisonale Bindungen von Paaren gibt, die aber auch im Verhältnis zur Schwarzkopfruderente einen kleinen Penis hat. Die Ergebnisse der Studie wurden kürzlich im Fachmagazin "The Auk: Ornithological Advances" publiziert.

Die Veilchenenten entwickelten längere Penisse, wenn sie in Gruppen mit anderen männlichen Artgenossen untergebracht wurden. Bei den Schwarzkopfruderenten war die Angelegenheit schon deutlich komplexer.

Ausgeglichener Nachteil

Viele Erpel scheiterten in der Phase der Studie beim Erreichen der sexuellen Reife, wenn sie paarweise untergebracht waren, weil kleinere Männchen, die in Gruppen mit anderen Erpeln lebten, sie gewissermaßen überholten. Deren Penisse wuchsen schneller, weshalb sie einen natürlich Nachteil gegenüber der Konkurrenz ausgleichen konnten. Die Studie zeigt also deutlich, dass Wettbewerb auf die Größe der Genitalien Einfluss nimmt.

Die Herausforderung während der Forschungsarbeiten lag laut Brennan übrigens nicht bei den Test selbst, sondern in der Haltung der Tiere, weshalb man mit dem Vogelpark Livingston Ripley Waterfowl Conservancy in Connecticut kooperierte. Dort konnten die Enten im Naturgehege leben.

Patricia Brennen beschäftigt sich schon seit Längerem mit dem Paarungsverhalten von Enten. Sie untersuchte dabei auch die Moschusente, bei denen Weibchen offenbar eine Strategie entwickeln konnten, sich gegen unerwünschte Befruchtung zu wehren. (Peter Illetschko, 23.9.2017)