Foto: ÖVP Wulkaprodersdorf

Wulkaprodersdorf: Ein schwarzer Chef im roten Dorf

25. September 2017, 19:46

Im Schatten hochrangiger Straßen und zweier Bahnlinien sucht die zweisprachige Gemeinde den Ausgleich zwischen roter Mehrheit, schwarzem Bürgermeister und starker grüner Ambition

Wulkaprodersdorf – Die Gemeinderatswahl in Wulkaprodersdorf/Vulkaprodrstof, der zweisprachigen Gemeinde nahe Eisenstadt, ist in vielerlei Hinsicht spannend. Immerhin stellt die ÖVP in der stets tiefroten Gemeinde mit Fritz Zarits den ersten Bürgermeister seit Menschengedenken. Zarits ist aber auch einer von 21 Bürgermeistern im Burgenland, die keine Gemeinderatsmehrheit hinter sich haben. Die SPÖ ist weiterhin stärkste Fraktion, die Absolute hat man 2012 aber verpasst.

Zarits sieht darin nicht unbedingt einen Nachteil. Auf ruckzuck, klar, gehe da natürlich nichts. Als Minderheitenbürgermeister muss er sich – mehr als die Kollegen und Kolleginnen mit einer Absoluten im Rücken – den Vorstellungen und Wünschen der anderen jedenfalls offensiv stellen. Das Ortsparlament ist solcherart ein echter Debattierklub und keine bloße Abnick-Anstalt, wie es sie da und dort ja auch gibt oder geben soll.

Bundesbahnblues

Das verlaufe im wesentlichen konfliktarm, bestätigen auch die roten Kollegen. Hilfreich diesbezüglich ist zweifellos der Umstand, dass Wulkaprodersdorf mit genügend Sachproblemen konfrontiert ist; will man es martialisch sagen: mit schulterschlussbefördernden Außenfeinden. Die 2000-Einwohner-Gemeinde an der Wulka ist ja nicht zufällig in Gerhard Bronners Bundesbahnblues gerutscht.

Hier trifft die Raaberbahn-Linie von Sopron nach Ebenfurth und weiter nach Wien auf die ÖBB-Linie nach Eisenstadt und Neusiedl. Zwischen beiden soll, um eine direkte Verbindung zwischen Eisenstadt und Wien zu schaffen, eine Gleisschleife errichtet werden. "Großteils auf unser'm Hotter", sagt der Bürgermeister, also übers Gemeindegebiet, das ohnehin schon von drei hochrangigen Straßen durchschnitten wird.

Grüne Wiege

Es ist deshalb auch kein Zufall, dass Wulkaprodersdorf gewissermaßen eine Wiege der pannonischen Grünen ist. Grete Krojer, die als erste grüne Abgeordnete im Landtag gesessen ist, hat in den 1990er-Jahren mit der Unabhängigen Dorfliste Wulkaprodersdorf (derzeit 22,6 Prozent) gehörige Unruhe in die rot-schwarze Gemächlichkeit gebracht. Es galt damals, die Verlängerung der A3 bis an die ungarische Grenze zu verhindern.

Jetzt, 20 Jahre danach, wird dieser Autobahnlückenschluss wohl kommen. Ungarn wird 2019 die Grenze erreicht haben. Die knapp zehn Kilometer bis Eisenstadt werden dann nicht mehr zu verhindern sein.

Wulkaprodersdorf ist ein Teil der großen, kroatischen Sprachinsel im Landesnorden, deren Bewohner sich auch Poljanci nennen. So wie die Prodersdorfer Tamburizza, die demnächst ihren 40er feiert. Wahlkampfthema sind die Volksgruppenangelegenheiten aber nicht. Die Zeit, da manche Poljanci sich um forcierte Assimilation bemühten, ist vorbei. (Wolfgang Weisgram, 25.9.2017)

Wahlergebnisse 2012