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Clown Pennywise: Das Böse ist immer und überall

Kopf des Tages |
24. September 2017, 13:23

Zwischen kindlicher Unschuld und den Abgründen des Erwachsenendaseins: Spätestens seit der 1990er-Verfilmung von Stephen Kings Roman "Es" geht der böse Clown in der Popkultur um

Seit den jüngsten US-Präsidentschaftswahlen sind Clowns mit orangen Haaren ja nicht mehr soo ungewöhnlich als Bestandteil eines Alltags, in dem eine nicht näher definierte Bedrohung von Leib, Leben und Heimatland zum täglichen Brot gehört. Mit der Figur des bösen Clowns Pennywise ist US-Horrorgroßmeister Stephen King allerdings schon 1986 eine bald auch exemplarische, zur Popikone gewordene Verkörperung des Bösen gelungen, die bis heute ihresgleichen sucht.

Kinder haben Es schon immer geahnt: Clowns sind nicht lustig, sie sind hinter all dem Feixen und Faxenmachen abgrundtief schlecht. Clowns sind nicht nur die jüngeren Brüder von Satans ältester Schwester. Wenn sie nicht gerade den Weltfrieden gefährden, essen sie auch kleine Kinder.

Der böse Clown und Kindervazahrer nennt sich also Pennywise. Er lockt die kleinen Racker mit auf Kanaldeckeln befestigten Luftballons in den Höllenschlund. Er geht spätestens seit der 1990er-Verfilmung von Kings damals von Alkohol, Koks und Paranoia befeuerter, über tausendseitiger Romanschwarte It (deutsch: Es) an der Schwelle zwischen kindlicher Unschuld und den Abgründen des Erwachsenendaseins vergnügt in der Popkultur um. Von Angst, Hass und Kleinmut ist ja nicht nur eine Kleinstadt namens Derry im US-Bundesstaat Maine befallen. Da sei der ursprüngliche, den Pennywise als sadistisch-maliziösen Onkel spielende Tim Curry, der Frank N. Furter aus der Rocky Horror Picture Show, außen vor.

Der Teufel mit der Lustig-lustig-trallala-Fratze und dem schrecklichen Blick steht vielmehr für etwas Zeitloses: Das Böse ist immer und überall! Gibt es Erlösung? Sind Schuld und Sühne Kategorien? Ha, ha, ha.

Nächste Woche läuft in den heimischen Kinos die Neuverfilmung von Es an. Sie bricht gerade in den USA sämtliche Kassenrekorde in der Geschichte des Horrorfilms. Eine gemütliche Horrorshow für die ganze Familie darf man sich dabei aber nicht erwarten. Unter der Regie des Argentiniers Andy Muschietti (Mama) gibt der schwedische Schauspieler Bill Skarsgård den Turboweißclown aus der Hölle. Er hat Spaß. Er ist zum Fürchten. Es ist schrecklich. Stephen King wurde gerade 70. In ebenso vielen Romanen hat er unsere Ängste seismografisch beschrieben. Pennywise ist seine wirkungsmächtigste Figur. Hiob fragte Gott einmal, warum er ihm all das antue. Gott sagte: Irgendetwas an dir kotzt mich an. (Christian Schachinger, 24.9.2017)