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"Das Haus am See": Goldige Vergänglichkeit

24. September 2017, 18:02

Mildes Altern: Ernest Thompsons Stück im Volx/Margareten

Wien – Wollte man noch vor wenigen Jahren in den Genuss einer Wiener Volkstheater-Premiere "in den Bezirken" kommen, fand man sich meistens im Turnsaal der Berufsschule Längenfeldgasse ein. Heute fegt ein kühler, klarer Reformwind durch die Außenbezirke. Eine Produktion wie Das Haus am See (On Golden Pond) feiert im Off-Lokal des Volx/Margareten Premiere. Und auch wenn man die Liptauerbrötchen, die in der Vitrine des Meidlinger Buffets einst von der Vergänglichkeit der Welt zeugten, nachträglich vermissen mag: Die neue Ernsthaftigkeit kommt der volkserzieherischen Absicht vollauf zugute.

Ernest Thompsons Stück diente 1981 Katherine Hepburn und Henry Fonda als Vorlage für einen Film. Das alternde Ehepaar Ethel und Norman verbringt jede Sommersaison im Holzhäuschen an einem See in Neu-England. Nur diesmal, ausgerechnet zu seinem Achtziger, entwickelt sich die männliche Hälfte des trauten Paares zum Problemfall. Norman (Michael Abendroth), ein sarkastisches Ekel wie so viele, die zart besaitet sind, wird vergesslich. Wie Abendroth seine hohe Gestalt als quasi lebendes Verkehrshindernis durch das holzgerippte Häuschen schiebt (Ausstattung: Damian Hitz), ist schon phänomenal.

Gattin Ethel (Doris Weiner) mimt den Puffer zur Welt. Ein graziles Persönchen, das Normans witzige Tiraden lediglich selektiv wahrnimmt. Noch schöner wäre die Aufführung geworden, wenn Ingo Berk ein wenig auf Tempo gedrängt hätte. Normans letzter Sommer glüht goldfarben auf, da er die Beziehung zu Tochter Chelsea (Steffi Krautz) klären kann und obendrein mit dem Stiefenkel angeln geht. Echt fett, Alter! Vor allem Abendroths fulminante Leistung wird vielen Bezirksgästen Trost und Muße schenken. (Ronald Pohl, 25.9.2017)