Erste Ergebnisse zeigen Mehrheit für Flughafen Tegel

24. September 2017, 20:59

Teilauszählung: 59 Prozent der Berliner wollen Flughafen auch nach Fertigstellung des neuen Hauptstadtflughafens beibehalten

Berlin/Wien – Der Berliner Flughafen Tegel ist klein, in die Jahre gekommen, vom Gästeaufkommen (im Vorjahr wurden 21,2 Millionen Fluggäste abgefertigt) gezeichnet. Dennoch wollen die Berliner ihren Stadtflughafen weiter in Betrieb halten. Im Rahmen eines Volksentscheids haben sich am Sonntag nach ersten Auszählungsergebnissen rund 59 Prozent der Berliner für den Erhalt des Airports ausgesprochen, wenn der neue Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg "Willy Brandt" (BER) einmal den Betrieb aufnimmt.

Kurz nach 20.00 Uhr lagen die Ergebnisse aus 281 von 2439 Wahlbezirken vor. 59 Prozent der Wähler sprachen sich dabei für Tegel aus, wie die Landeswahlleiterin auf ihrer Internetseite zeigte. 39 Prozent stimmten für eine Schließung Tegels nach der Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens in den kommenden Jahren. Grundlage ist die Auszählung gut elf Prozent der Stimmen. Das endgültige Ergebnis soll in der Nacht vorliegen.

Beliebter Flughafen

Der Senat wird nun aufgefordert, die Schließung von Tegel aufzugeben. Die Befürworter argumentieren, viele Metropolen hätten mehr als einen Flughafen. Zudem ist der zentrumsnahe Flughafen sowohl bei Fluglinien als auch Berlinern beliebt – abgesehen von denen im Norden, die in der Einflugschneise leben.

Initiiert wurde das Volksbegehren von der FDP. Anfangs wurde es von vielen Seiten belächelt. Doch die Unterschriftensammlung war erfolgreich – mehr als 200.000 Berliner haben sich beteiligt – und mündete letztlich in den Volksentscheid, der parallel zur Bundestagswahl stattfand.

Die Chance, dass Tegel trotz Volksentscheid in Betrieb bleibt, ist aber gering. Dagegen sprechen rechtliche und finanzielle Gründe. Es fängt damit an, dass zwar in Berlin abgestimmt wird, die Flughafengesellschaft aber mit Brandenburg und dem Bund zwei weitere Eigentümer hat. Und zumindest Brandenburg lehnt wie der Berliner Senat den Weiterbetrieb von Tegel klar ab.

Bundesverkehrsminister Alex ander Dobrindt sprach sich zwar angesichts der sich abzeichnenden Kapazitätsprobleme des geplanten Hauptstadtflughafens BER indirekt für die Offenhaltung von Tegel aus. Offiziell hält die Bundesregierung jedoch an dem gefassten Beschluss fest, dass spätestens sechs Monate nachdem der BER in Betrieb geht, die Schließung Tegels ansteht. (APA, Reuters, 24.9.2017)