Muslimische Jugend erwägt Klage wegen Studie über Muslimbruderschaft

25. September 2017, 13:11

"Wir sind ang'fäut": MJÖ fühlt sich durch "Pamphlet" in eine falsche Ecke gestellt

Wien – Die Muslimische Jugend (MJÖ) überlegt rechtliche Schritte gegen die Studie zur Muslimbruderschaft in Österreich. Grund seien nicht nur darin erhobene Behauptungen, sondern die Tatsache, dass man in dem "Pamphlet" überhaupt vorkomme, hieß es am Montag bei einer Pressekonferenz. Auch der ehemalige Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGiÖ), Anas Schakfeh, wehrte sich gegen den Inhalt.

"Wir sind irritiert, wir sind gelangweilt, wir sind ang'fäut", sagt MJÖ-Vorsitzende Canan Yasar über die "sogenannte Studie". Autor Lorenzo Vidino will darin erhoben haben, dass die islamistische Muslimbruderschaft über "beträchtliche Verbindungen und Einfluss" in Organisationen der Muslime in Österreich – auch der MJÖ – verfüge. Neben der George Washington Universität wird auch die Uni Wien darin als Partner genannt.

Laut Yasar soll sich an der Universität aber niemand für die Studie zuständig fühlen. Das Innenministerium weist inhaltliche Mitverantwortung ebenfalls zurück. Man habe das Projekt lediglich finanziell unterstützt, da man an Erkenntnissen interessiert sei, bestätigte man dort auch gegenüber der APA. Die Inhalte setzten sich vorwiegend aus Zeitungsberichten und Blog-Einträgen zusammen, kritisiert die MJÖ. Teils habe sich der Autor selbst zitiert.

Distanzierung von Muslimbruderschaft

"Die MJÖ hat und hatte keine persönliche, organisatorische, ideologische, finanzielle oder sonstige Nähe zur Muslimbruderschaft", betonte das Vorsitzteam. Im Gegenteil: Die Jugendorganisation habe sich 1996 selbst gegründet, um Kritik an den vorhandenen Strukturen der muslimischen Community zu üben. Mitglieder beteiligten sich an Hilfsprojekten in Österreich, nähmen an Gedenkveranstaltungen zum Holocaust teil und förderten die Gleichstellung von Frauen.

Zur Verteidigung der in der Studie genannten Institutionen sowie seiner eigenen Person trat auch Schakfeh auf. Die von ihm gegründete Stiftung etwa diene der Erwachsenenbildung und Völkerverständigung und nicht der Verbreitung einer religiösen Lehre. Die Ausbildungsstätte für Religionslehrer, IRPA, habe ebenso wenig mit der Muslimbruderschaft zu tun wie die MJÖ, in der etwa ausschließlich deutsch gesprochen und österreichisch wie europäisch gedacht werde.

Schakfeh verwies auch auf mehrere von ihm organisierte Imam-Konferenzen, deren Erklärungen im krassen Gegensatz zur Denkweise der Muslimbruderschaft stünden. Auch diese hätte der Studienautor wohl nicht gelesen: "Das ist keine seriöse Forschungstätigkeit, sondern Missbrauch zweier renommierter Universitäten", kommentierte er den vorliegenden "Report", der sich "Methoden der mittelalterlichen Inquisition" bediene.

Die MJÖ will nun rechtlich gegen die erhobenen Behauptungen reagieren und ist deshalb mit ihren Anwälten in Kontakt, so Yasar: "Wir werden uns jeden Schritt anschauen." (APA, 25.9.2017)