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Kiwis könnten das Augenlicht verlieren

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25. September 2017, 18:46

Ornithologen fanden drei Exemplare des neuseeländischen Wappenvogels, die blind, aber sonst gesund waren. Das regte die Forscher zu Spekulationen an

Wellington/London – Es gibt eine ganze Reihe von Wirbeltieren, die gut ohne Augenlicht auskommen. Dazu zählen vor allem Höhlen- oder Tiefseebewohner wie etwa der Grottenolm oder verschiedene Arten von Höhlenfischen. In der ewigen Dunkelheit sind Augen überflüssig und würden nur unnötig Energie verbrauchen.

Bei landlebenden Tieren tritt das Phänomen schon sehr viel seltener auf, und bei Vögeln ist es bis vor kurzem überhaupt noch nie beobachtet worden. Vor wenigen Wochen aber entdeckte ein internationales Ornithologenteam auf Neuseelands Südinsel drei Kiwis, die völlig erblindet, aber dennoch bei bester Gesundheit waren.

Ein Drittel hat Augenprobleme

Konkret ging es um eine der fünf seltenen Arten des neuseeländischen Nationalvogels, nämlich um den besonders raren Okaritokiwi (Apteryx rowi), der ausschließlich im Okarito-Wald auf der Südinsel Neuseelands vorkommt.

Verbreitungsgebiet der Kiwi-Arten auf Neuseeland. Schwarz eingefärbt ist jenes der Okaritokiwis.
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Bei einer Untersuchung von rund 160 Vögeln stellte sich heraus, dass ein Drittel der bis zu 55 Zentimeter großen, flugunfähigen Schnepfenstrauße unter mehr oder weniger schwerwiegenden Augenproblemen litten, wie die Forscher im Fachblatt "BMC Biology" berichten.

Einer der besonders seltenen Kiwi-Arten droht womöglich der Verlust des Sehsinns.
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Verschiedene Erklärungen

Die einfachste Erklärung für die mangelhafte Sehfähigkeit ist die Lebensweise der Vögel, die nachtaktiv sind. Ihr Habitat bietet ihnen zudem jede Menge Futter, und natürliche Feinde haben sie auch nicht – außer eingeschleppte Räuber wie Hermeline.

Zudem verfügen Kiwis über einen exzellenten Geruchs-, Hör- und Tastsinn, erklärt Co-Autor Alan Tennyson vom Te Papa Tongarewa, dem neuseeländischen Nationalmuseum in Wellington, gegenüber dem Wissenschaftsjournal "New Scientist".

Genetische Zusammenhänge?

Andere Forscher wie Stanley Sessions (Hartwick College), die an der Studie nicht beteiligt waren, äußern eine andere Vermutung: Womöglich könnte der Hedgehog-Signalweg eine wichtige Rolle spielen, der auch bei der Erblindung von Höhlenfischen eine zentrale Rolle spielte.

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"Die Augendegeneration könnte ein Kollateralschaden bei der Anpassung an die nächtliche Lebensweise sein", so Sessions. Denn man wisse, dass das Protein Sonic hedgehog auch für eine Verbesserung des Tast- und Geruchssinns sorgen könnte.

Die Okaritokiwis würden dafür einen idealen Modellorganismus abgeben, so Tennyson. Einziges Problem: Es gibt nur mehr 400 dieser sehr speziellen Vögel in freier Wildbahn. (Klaus Taschwer, 25.9.2017)