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2030 ist COPD dritthäufigste Todesursache weltweit

26. September 2017, 10:02

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung ist potenziell tödlich. Sie entwickelt sich schleichend, Symptome wie Husten, Auswurf und Atemnot werden oft zu lange ignoriert

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung COPD hat sich zu einem Volksleiden entwickelt und könnte bis zum Jahr 2030 die dritthäufigste Todesursache weltweit sein. Eine rechtzeitige Diagnose ist besonders wichtig, denn COPD ist zwar nicht heil-, aber bei frühzeitiger Versorgung gut behandelbar.

Langfristig vernachlässigte Symptome der schleichenden Erkrankung drohen die Lunge unwiederbringlich zu zerstören. Besonders gefährlich sind sogenannte Exazerbationen, das sind akute Verschlechterungen, die über den normalen Krankheitsverlauf hinausgehen. Ärzte vergleichen diese wiederkehrenden Vorfälle mit einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall der Lunge. Das Mortalitätsrisiko ist noch höher: "An einem akuten Herzinfarkt sterben drei Prozent der Patienten, bei der Exazerbation sind es fünf Prozent", sagt Arschang Valipour, Ärztlicher Leiter der Bronchologie am Sozialmedizinischen Zentrum Baumgartner Höhe in Wien.

Schwer kranke Menschen

"Ungefähr fünf Prozent der Bevölkerung leiden an COPD", berichtet Sylvia Hartl, Abteilungsvorständin der 2. Internen Lungenabteilung auf der Baumgartner Höhe. In ihrer vollen Ausprägung macht sie Patienten zu offensichtlich schwer kranken Menschen. Die Lungenfunktion geht aber langsam und zunächst unbemerkt verloren. "Auch junge Menschen können schon an schweren Lungeneinschränkungen leiden", so Hartl. Die österreichische Gesundheitsstudie LEAD (Lung, hEart, sociAl, boDy) hat aber belegt, dass viele Betroffene "aufgrund der noch relativ gut vorhandenen Lungenkapazität lange Zeit Symptome wie Husten, Auswurf oder gelegentliche Atemnot ignorieren". "Auch bei noch normaler Lungenfunktion weisen Patienten bereits eine sehr hohe Symptomlast auf", sagte Wolfgang Pohl, Abteilungsvorstand für Atmungs- und Lungenerkrankungen am Krankenhaus Hietzing.

Während ein Teil der Betroffenen mit einer nicht voll funktionsfähigen Lunge zur Welt gekommen ist und Luftverschmutzung sowie Reizstoffe am Arbeitsplatz Ursachen sein können, ist ein Hauptverursacher das Rauchen. Viele Patienten seien stark nikotinabhängig, was dazu beitrage, dass sie trotz starker Beschwerden "oft eine noch schlechtere Adhärenz als andere Patientengruppen aufweisen", sagt Rudolf Schoberberger, stv. Leiter des Zentrums für Public Health an der Medizinischen Universität Wien. Damit ist eine verminderte Bereitschaft gemeint, die Behandlungsvorgaben umzusetzen.

Therapie mit Fehlerquellen

Dazu komme, dass die inhalative Therapie (Bronchodilatatoren zur Erweiterung und anti-inflammatorische Medikamente gegen die Entzündung der Bronchien) von den Patienten gelernt werden müsse und viele Fehlerquellen berge, sagte Hartl. "Das muss man üben und das gehört auch überprüft." Die diesbezügliche Schulung sei etwas, "wo wir in Österreich eigentlich im Argen liegen". Eine wichtige Rolle in der Vorsorge nehme die Lungenfunktionsmessung in der betrieblichen Gesundheitsförderung ein, betonte Bernhard Schwarz vom Zentrum für Public Health. Er appellierte an die Arbeitsmediziner, "die Lunge auch heute noch ernst zu nehmen". (APA, 26.9.2017)