Foto: Alex Stranig

Klyo in der Wiener Urania: Proteinbomben auf dem Teller

26. September 2017, 12:16

Das Restaurant in der Wiener Urania hat wieder geöffnet. Statt Schnitzel gibt es jetzt viel Gesundes – inklusive Proteinangabe in der Karte

Dass in dem neobarocken Gebäude der Wiener Urania Kurse mit dem Titel "Fitte Füße – starke Venen" angeboten werden, scheint Grund genug dafür zu sein, seit kurzem im hauseigenen Lokal hauptsächlich eiweißreiche Kost zu servieren. Touristen und Freunde der rustikalen Küche müssen jetzt ganz stark sein. Kohlenhydratphobiker werden sich hingegen freuen ob des Angebots an Proteinbomben.

Alles neu

Nicht nur die Karte, auch die Einrichtung ist neu. Die dunklen Holzmöbel der alten Bar sind modernen Sitzgelegenheiten gewichen. An der Decke hängen Pflanzen. Und generell wirkt alles freundlicher, moderner und luftiger.

Betrieben wird das neue Lokal von Eventagenturbesitzer Manfred Pschaid und Andreas Nigitz, der zuletzt unter anderem die PR-Agenden des "Graben 30" verantwortete. Die Idee war es, ein Restaurant zu schaffen, das auch als Bar und Café genutzt wird. Frühstück gibt es bis 22.30 Uhr, ebenso wie die Cocktails. Die Rezepte dafür steuerte "Sign-Lounge"-Mastermind Kan Zuo bei. Während bei den Drinks lediglich die Zutaten angegeben werden, weist man bei den Gerichten sogar den Proteingehalt aus.

Artischocke (7,60 Euro).
foto: alex stranig

Ganze 5,5 Gramm Protein hat zum Beispiel die Artischocke, die gedämpft im Ganzen serviert wird. Ab und zu darf man es Gästen ruhig zumuten, Gemüse in seiner Ursprungsform zu essen. Beim ersten Date sollte man dieses Gericht allerdings nicht bestellen, das Auszuzeln der Artischockenblätter könnte auf das Gegenüber etwas abschreckend wirken. Und um den Mainstream nicht ganz zu vernachlässigen, serviert man Olivenöl-Zitrus-Dip und Mayonnaise mit Raucharoma. Köstlich!

Beef Tatar (12,80 Euro).
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Beef Tatar vom Bio-Rind wird asiatisch mariniert. Frischer Koriander sorgt für Frische und fruchtige Noten, die leichte Schärfe ist eine angenehme Ergänzung. Dazu gibt es "Madame Crousto"-Brot von Superbäcker Georg Öfferl. Was dem französischen Urbrot hier allerdings angetan wird, grenzt an Körperverletzung. Es wird geröstet und kommt als fetttriefende gebräunte Scheibe an den Tisch, sodass man sich bereits nach dem ersten Bissen dazu entschließt, das Brot ganz wegzulassen.

Karfiol-Rösti (9,40 Euro).
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Rösti mit Karfiol gelingt wiederum gut und wird mit Rohkostsalat serviert. Röstaromen verhelfen den kleinen, mild schmeckenden Karfiolröschen zum großen Auftritt. Die Zitrusemulsion bringt dezente Säure ins Spiel.

Steirisches Freilandhuhn (13,20 Euro).
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Tadellos gelingt auch das ausgelöste steirische Freilandhuhn, dem ein ordentlicher Berg Salat zur Seite gestellt wird. Die Hendlhaut ist knusprig, das Fleisch saftig und fest im Biss. Keine Spur von Trockenheit. Die Polenta mit Salzzitronen ist ziemlich flüssig.

Melanzani-Gnocchi (11,80 Euro).
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Dass man Gnocchi anstatt mit Erdäpfeln auch mit Melanzani machen kann, ist keine Neuigkeit. Von dem Gemüse schmeckt man hier aber leider nicht mehr viel, nachdem die eh schon sehr breiigen Gnocchi in einer dünnen Sauce von weißen Paradeisern schwimmen und mit allerlei Grünzeug und Getrocknetem dekoriert werden. Weniger wäre auf jeden Fall mehr gewesen. Schade – darüber trösten weder die 12,1 Gramm Protein hinweg noch die Tatsache, dass Küchenchef und Sous-Chef außer Haus waren, wie uns erklärt wurde. (Alex Stranig, 29.9.2017)


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Klyo
Uraniastraße 1
1010 Wien
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