TU Graz bekommt neues Zentrallabor für die Strukturforschung

27. September 2017, 18:49

Röntgenkleinwinkelstreuung SAXS bietet Blick in Nanowelten

Graz – Materialwissenschafter feiern die Kratky-Kamera für Röntgenkleinwinkelstreuung (SAXS) als Meilenstein in der modernen Analytik. Erfunden wurde sie vor 60 Jahren an der Universität Graz vom Grazer Physikochemiker Otto Kratky. Vom seither federführenden Unternehmenspartner Anton Paar wird nun ein spezielles Labor für "Soft Materials" aufgebaut. 140 Experten tagen noch bis Mittwoch an der TU Graz.

Hinter der kryptischen Abkürzung SAXS (Small Angle X-Ray-Scattering) oder Röntgenkleinwinkelstreuung verbirgt sich ein spezielles Verfahren zur Strukturanalyse. Dabei werden Röntgenstrahlen als Strahlungsquelle eingesetzt. Die Experten können damit in Größenordnungen von Nanometern vordringen, wobei ein Nanometer bereits der millionste Teil eines Millimeters ist. Die Forschungsergebnisse der Physikalischen Chemie führten schon vor Jahrzehnten zur heute viel beschworenen Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft: Erstmals wurden nämlich Strukturuntersuchungen von großen Molekülen in Lösungen möglich. Auch zahllose Forscher machten seither den Weg nach Graz, um ihre Kenntnisse zu vervollständigen.

Analyse von Nanopartikeln

Der steirische Analysegerätehersteller Anton Paar hat gemeinsam mit den Wissenschaftern die SAXS-Methode ständig weiterentwickelt, teilte die TU Graz mit. In der biomedizinischen Forschung hilft die Methode heute die Stabilität und Wirkungsweise von Proteinen, Enzymen oder auch Antikörpern zu verstehen und bereitet so den Weg zur Entwicklung neuer Wirkstoffe und Medikamente vor. Laut Petra Kotnik, Bereichsleiterin für Materialcharakterisierung bei Anton Paar, ist die Analyse von Nanopartikeln von Umweltproben ein zukünftiges Einsatzgebiet: "Durch die Verwendung von Kosmetika, Waschmitteln, Solarzellen und anderen Produkten des täglichen Lebens gelangen Nanopartikel in unsere Umwelt", die SAXS-Methode ermögliche Rückschlüsse ihrer Verbreitung und Toxizität.

Das Grazer Unternehmen ist spezialisiert auf die Herstellung von Geräten für die Dichte- und Konzentrationsmessung sowie auf Rheometrie wie auch die Bestimmung von gelöstem Kohlenstoffdioxid. In Kooperation mit dem Unternehmen und der Universität Graz sowie gefördert mit Hochschulraum-Strukturmitteln entsteht am Campus der TU Graz ein sogenanntes CentralLab zur Synthese und Charakterisierung von "Soft Materials".

Das Unternehmen stattet das Labor mit seinen Messinstrumenten mit einem Wert von rund 600.000 Euro aus, u.a. das etwas mehr als zweieinhalb Meter langen Anton Paar Laborsystem SAXSpoint. Das Labor soll vor allem von Forschern der steirischen Universitäten und der Universität Maribor verwendet werden. Erste Kooperationen sind mit der Montanuniversität Leoben und der Universität Graz vereinbart. Zusätzlich steht den Forschern die österreichische SAXS-Beamline der TU Graz am Elettra Synchrotrone in Triest für detaillierte Untersuchungen zur Verfügung. (APA, 27.9.2017)