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Umfrage: Kauf eines Eigenheims praktisch nicht mehr leistbar

27. September 2017, 18:00

Eine große Mehrheit hält Eigenheime für die breite Masse für unerschwinglich. Die Eigeneinschätzung der Österreicher unterscheidet sich von der Gesamtwahrnehmung

Wien – Leistbares Wohnen ist ein zentrales Thema im aktuellen Wahlkampf. Unabhängig der eigenen Situation machen sich viele Österreicher sorgen um die Entwicklung des Immobilienmarkts.

Eine große Mehrheit – 81 Prozent – meint, als Normalsterblicher könne man sich den Kauf eines Eigenheimes praktisch nicht mehr leisten, wie aus einer Onlineumfrage im Auftrag des Immobilienportals Immobilienscout24 hervorgeht. Allerdings steht das oftmals im Widerspruch zur Einschätzung der Befragten, sich ihr Eigenheim finanzieren zu können, wie Uschi Mayer von Immobilienscout24 im Gespräch mit dem STANDARD erklärt.

Traum vom Eigenheim

Insgesamt wollen 72 Prozent der Befragten in Eigentum wohnen. Überdurchschnittlich deutlich ist dieser Wunsch bei den Tirolern, Niederösterreichern sowie generell bei Familien ausgeprägt. Bundesweit erachtet etwas mehr als die Hälfte den Bau oder Kauf einer Immobilie als Teil eines gelungenen Lebens. Unter den Befragten leben bereits 54 Prozent in eigenen vier Wänden, weitere 14 Prozent in Genossenschaften.

Die knappe Mehrheit der Österreicher (58 Prozent) stellt fest, dass sich der Anteil der Wohnkosten am Haushaltsbudget in den vergangenen fünf Jahren erhöht habe; jeder Fünfte bezeichnete den Anstieg der Wohnkosten sogar als stark. Diese Einschätzung teilen vor allem Wiener sowie niedrig qualifizierte Österreicher und Personen mit Haushaltsnettoeinkommen unter 2000 Euro. Immerhin die Hälfte der Befragten schränkt sich bei anderen Ausgaben bereits bewusst ein, um sich das Wohnen leisten zu können.

Eine große Mehrheit sieht auch die Gesamtsituation auf dem Immobilienmarkt pessimistisch: Der Aussage, viele Österreicher könnten sich das Wohnen bald nicht mehr leisten, stimmten 88 Prozent der Befragten zu. Unabhängig vom Einkommen wünschen sich 92 Prozent, dass Staat und Gemeinden sich bemühen, dass Wohnen leistbar bleibt oder leistbarer wird.

Persönliche Situation positiv

Wiederum spiegelt sich die Sorge um eine steigende Belastung der Mitmenschen nicht in der Selbsteinschätzung der Befragten wider. Neun von zehn sind zuversichtlich, was die Leistbarkeit ihres aktuellen Domizils betrifft. 46 Prozent sind sogar sicher, sich das aktuelle Heim auch in Zukunft leisten zu können; weitere 44 Prozent meinen, dass dies eher schon der Fall sein werde.

Die Diskrepanz zwischen persönlichem Optimismus und negativer Einschätzung der Gesamtsituation sei typisch für derartige Umfragen, sagt Mayer in Berufung auf die beauftragte Meinungsforschungsagentur Integral. Dafür verantwortlich ist die öffentliche Diskussion. (APA, slp, 27.9.2017)

Der Artikel wurde um 18.00 ergänzt. In der ersten Version war die Diskrepanz zwischen Eigeneinschätzung und der gesamtgesellschaftlichen Beurteilung der Befragten nicht hervorgehoben worden. Außerdem erfolgte der Hinweis auf die aktuellen Wohnformen der Umfrageteilnehmer.

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