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Limux-Aus: München wechselt auch am Server zu Microsoft, will es aber geheimhalten

27. September 2017, 09:11

Interne Informationen sprechen von Wechsel auf Microsoft Outlook beim einstigen Linux-Vorzeigeprojekt

Einst war München mit seinem Limux-Projekt so etwas wie ein Vorzeigeprojekt für Linux in der öffentlichen Verwaltung. Doch dann folgte ein Wechsel des politischen Personals, mit dem zwei erklärte Gegner der freien Softwarelösung die Rathausspitze übernahmen. Also kam, was kommen musste: Im Februar wurde offiziell beschlossen, die eingesetzten Client-Systeme bis 2020 auf Windows zurück zu migrieren.

All-in

Doch nun geht man offenbar noch eine Schritt weiter: Entgegen bisher kommunizierten Plänen plant die Stadtverwaltung von München offenbar auch den Wechsel zu Microsoft-Software am Server. Laut einer internen Präsentation, die heise online zugespielt wurde, soll künftig Microsoft Exchange als Groupware-Lösung zum Einsatz kommen.

Dies ist insofern überraschend, da im Jahr 2014 noch der offizielle Beschluss gefasst wurde, für Mail- und Kalender-Aufgaben künftig auf Kolab zu setzen. Mit der freien Groupware hätte eigentlich die bisher eingesetzt Kombination aus dem Mail-Client Thunderbird und einer Kalenderlösung von Oracle abgelöst worden. Nun gibt es stattdessen aber offenbar den Schwenk zu Exchange und damit natürlich auch Outlook als Client.

Geheimhaltung

Offiziell bestätigten will man dies derzeit aber nicht: So heißt es von den Verantwortlichen beim IT-Dienstleister IT@M, dass man zu eingesetzten Produkten keine Auskunft gebe. Dies gelte im besonderen "für alle Komponenten, die in sicherheitsrelevanten Aufgaben eingesetzt werden, wozu auch unser E-Mail-System zählt". Eine Antwort, die auch deswegen einigermaßen verblüfft, weil die Vorstellung, dass man durch Geheimhaltung der eingesetzten Software, das Risiko für Angriffe reduziert, von Sicherheitsexperten längst nicht mehr für zeitgemäß gehalten wird.

Das Sicherheitsargument überrascht aber auch deswegen, da der Wechsel auf MIcrosoft-Lösungen natürlich die betroffenen Server auch zu einem größeren Ziel macht. So hatte schon 2014 die Rathausspitze selbst eingeräumt, dass in diesem Umfeld ein höheres Potential für Bedrohungen bestehe.

Hintergrund

Der Wechsel zurück zu Microsoft hatte der Münchner Stadtverwaltung in den letzten Monaten scharfe Kritik eingebracht. Während man selbst mit angeblichen, laufenden Problemen mit den Linux-Desktops argumentiert, wurden diese Berichte vom zuständigen IT-Leiter offen dementiert. Kritiker sehen viel mehr eine politische Entscheidung, die im Zusammenhang mit der Eröffnung der neuen Microsoft-Zentrale in München im Jahr 2016 stehen soll. (apo, 27.9.2017)