Foto: Nationalpark Hohe Tauern/Martin Kurzthaler

Nationalpark Hohe Tauern: Ranger freut Besucherzustrom

27. September 2017, 13:26

Salzburger stellten Besuchermanagement um: Steigerung auf 80.000 betreute Besucher in der ersten Saison

Rund drei Millionen Besucher verzeichnen alle Angebote des Nationalparks Hohe Tauern Salzburg im Jahr, etwa zwei Millionen Menschen wandern in die Täler hinein. Dort werden sie bisher bei geführten Wanderungen von Nationalpark-Rangern betreut. Um noch mehr Besucher zu erreichen, stellte der Nationalpark das Besuchermanagement 2017 um und errichtete an 13 Taleingängen Rangerbasen.

Die Infohütten an den Taleingängen sind täglich außer Samstag mit einem Nationalpark-Ranger besetzt. Sie stehen Besuchern mit Rat und Tat zur Seite, haben Tipps zu den Highlights in Österreichs größten Nationalpark parat, kennen lohnenswerte Wanderungen in den Tälern, informieren über tagesaktuelle Geschehnisse oder talspezifische Naturphänomene. Einige Stunden pro Tag können Besucher die Nationalpark-Ranger bei der Arbeit im Tal kennenlernen. Eine Informationstafel bei der Basis zeigt den Gästen, wo sie den Ranger antreffen können. "10.000 Arbeitsstunden haben unsere Ranger in diesem Sommer geleistet", bilanzierte der Salzburger Nationalparkdirektor Wolfgang Urban vor Journalisten im Obersulzbachtal.

Positive Bilanz

"Wir haben in der heurigen Saison so 80.000 Besucher betreut", sagte Urban. Zwar müsse das Konzept noch evaluiert werden, die erste Bilanz falle aber eindeutig positiv aus. In den vergangenen Jahren verzeichneten die geführten Touren jährlich rund 12.000 Teilnehmer. "Das war nicht mehr so attraktiv", erzählte Urban. Kürzere Aufenthaltsdauern und Buchungen führten zum Rückgang der Nachfrage an geführten Wanderungen.

In allen Teilen des Nationalparks Hohe Tauern – Salzburg, Tirol und Kärnten – sind ganzjährig 30 Ranger tätig, dazu kommen in der Sommersaison 16 weitere. Einer von ihnen ist Werner Schuh. Nach vielen Jahren im Ausland, unter anderem 20 Jahre als Helikopter-Skiguide in Kanada, kehrte er nach Österreich zurück und ist seit 2011 Ranger im Salzburger Teil des Nationalparks. Seine Basis hat er im Talschluss des Obersulzbachtals. Seit 150 Jahren zieht sich dort ein Gletscher langsam zurück, setzt Prozesse wie nach der Eiszeit in Gang. Für das Tal wird gerade eine Sonderschutzgebietsverordnung "Wildnisgebiet Sulzbachtäler" vorbereitet. In den bisher ungenutzten Karen und Gletschervorfeldern des Ober- und des Untersulzbachtales könnte auf 9.000 Hektar schon bald eines der bedeutendsten Wildnisgebiete Mitteleuropas entstehen.

Neu adaptierte Wildnisschule

Im Tal erklärt Schuh nun begeistert den Besuchern den Nationalpark, informiert über Flora und Fauna, gibt Tipps zu essbaren Pflanzen und Beeren. Jeden Tag sucht er sich mit seinem Spektiv einen anderen gut erreichbaren Platz im Park, um Besucher zu informieren. Enthusiastisch spricht er über seine Arbeit. Im Sommer organisierte er mehrere Jugend-Camps in der neu adaptierten Wildnisschule in der Hofrat-Keller-Hütte des Nationalparks.

Diese bisher vom Lüneburger Naturschutzverein genutzte Hütte wurde um 200.000 Euro umgebaut. Dort gibt es weder Handynetz noch WLAN. "Die Jugendlichen waren dennoch begeistert, schliefen freiwillig im Zelt, trotz 28 Betten in der Hütte", berichtete Schuh. Bei den Schulungen und Camps wird gemeinsam gekocht, viel mit Emotionen gearbeitet, die Ranger nutzten die Wildnis als Werkzeug. Im Tal wird der "Grundgedanke des Nationalparks, die Natur schützen und dem Menschen eindrucksvolles Naturerlebnis zu ermöglichen", gelebt, sagte Nationalparkdirektor Urban. (APA, 27.9.2017)

Hintergrund

Nationalpark Hohe Tauern: Größter und ältester in Österreich

Der Nationalpark Hohe Tauern ist der größte und älteste Nationalpark in Österreich. Kärnten erklärte als erstes im Jahr 1981, Salzburg 1983 Teilgebiete zum Nationalpark. Der Osttiroler Part war umstritten und wurde erst 1991 hinzugefügt. Heute erstreckt sich das Gesamtgebiet über 1.856 Quadratkilometer und umfasst die mächtigsten Gipfel Österreichs.

Er ist damit der größte Nationalpark Mitteleuropas, der Alpen und der einzige von der Weltnaturschutzunion IUCN anerkannte Nationalpark in den Bundesländern Salzburg (805 Quadratkilometer), Tirol (611 Quadratkilometer) und Kärnten (440 Quadratkilometer). Die Kernzone erstreckt sich über ein Gebiet von 1.213 Quadratkilometern und umfasst weitgehend unberührte Naturlandschaft, die unter strengem Schutz steht. Drei Viertel dieser Fläche sind von jeglicher wirtschaftlicher Nutzung ausgeschlossen. Die Außenzone bietet auf 643 Quadratkilometern artenreiche Bergwiesen und Almen, die durch die jahrhundertelange Arbeit der Bergbauern in naturverträglicher Weise entstanden sind.

Sonst nirgendwo in Österreich

Geologische Prozesse, die Kraft der Gletscher und des Wassers, haben die Landschaft des Nationalparks Hohe Tauern im Laufe vieler Jahrmillionen geprägt und zu einem außergewöhnlichen Lebensraum gemacht. Trotz extremer Bedingungen beherbergt das Schutzgebiet ein Drittel aller in Österreich vorkommenden Pflanzenarten und an die 10.000 Tierarten. Beinahe die vollständige Palette der österreichischen Alpenflora und -fauna ist dort vertreten, eine Vielzahl von Biotoptypen heimisch, die sonst nirgendwo in Österreich zu finden sind. Viele davon leben in einem Extremgebiet, in dem acht Monate im Jahr tiefster Winter herrscht und Frühling und Herbst nahezu ausfallen. An solche Bedingungen haben sie ihren Körperbau, ihr Verhalten und ihre Physiologie angepasst, um in diesem Lebensraum überleben zu können.

Im Nationalpark finden sich 551 Bergseen, mehr als 300 Berggipfel über 3.000 Meter Seehöhe sowie 342 Gletscher mit einer Gesamtfläche von 170 Quadratkilometern. Auch der höchste Berg Österreichs, der Großglockner mit 3.798 Metern und der größte Gletscher der Ostalpen, der Pasterzengletscher, liegen im Nationalpark. Besucher können auf 4.308 Kilometern wandern, dazu gibt es 62 Themenwege.

Arten wieder angesiedelt

Der Nationalpark bietet heute jenen Tierarten wieder einen gesicherten Lebensraum, die durch eine Ausrottungswelle u.a. gegen Beutegreifer zu Beginn des 19. Jahrhunderts in fast ganz Europa ausgerottet worden sind. Dazu zählt der Steinadler Aquila chrysaetos, dessen Bestand, wie das Monitoringprojekt zeigt, mit ca. 40 Brutpaaren im Nationalpark Hohe Tauern gesichert ist. Beispiele für beinahe verschwundene Arten, die heute, zum Teil durch Wiedereinbürgerungen im Nationalpark, wieder weit verbreitet sind, sind der Alpensteinbock Capra ibex und das Murmeltier Marmota marmota. Vom Steinwild gibt es mittlerweile wieder rund 1.000 Stück im Nationalpark Hohe Tauern. Das Murmeltier ist wieder flächendeckend verbreitet mit Dichten von 40 – 350 Individuen pro Quadratkilometer. (APA)