Warum die Nachfrage nach Nachhaltigkeit nicht nachlässt

30. September 2017, 17:00

Anfangs milde belächelt, kommt heute kaum ein Investmentanbieter mehr an Sustainability vorbei

Wien – Der Trend zu nachhaltigen Investments ist sowohl weltweit als auch in Österreich ungebrochen. "Wir merken deutlich, dass das Interesse unserer Kunden stetig steigt", sagt Ursula Finsterwald, Sustainability-Manager bei der LGT Bank. "Immer mehr Privatpersonen achten auf Nachhaltigkeit – auch bei ihrer Geldanlage." Sie verweist auf eine im Vorjahr im deutschsprachigen Raum durchgeführte Kundenbefragung von der LGT, die deutlich zeige, dass Privatbankkunden Nachhaltigkeit eine große Bedeutung beimessen würden. Demnach geben rund 40 Prozent an, dass sie schon in nachhaltige Anlagen investiert haben. Und weitere 30 Prozent beabsichtigen, den Anteil an nachhaltigen Anlagen in Zukunft aufstocken zu wollen.

Eine Entwicklung, die sich mit Zahlen untermauern lässt: Insgesamt 12,63 Milliarden Euro waren laut dem Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) per Ende 2016 hierzulande in derartige Veranlagungen investiert. Das entspricht einem Nettozufluss von rund 2,4 Milliarden Euro oder von 24 Prozent im Jahresvergleich, was wiederum exakt dem langjährigen Durchschnittszuwachs seit dem Jahr 2005 entspricht. Damals wurden nämlich gerade erst 1,2 Milliarden Euro nachhaltig investiert.

Anteil am Kuchen wächst

Im Bereich der Investmentfonds entfallen 7,1 Milliarden auf nachhaltige Produkte – ein Wachstum von 22 Prozent. Zum Vergleich: Der gesamte Fondsmarkt in Österreich erreichte im Vorjahr nicht einmal einen dreiprozentigen Zuwachs. Damit ist der Anteil nachhaltiger Fondsprodukte auf knapp 7,6 Prozent angewachsen. Neben den Fonds steuern Vermögensverwaltungsmandate mit fast 5,6 Milliarden Euro den zweiten großen Brocken an nachhaltigen Veranlagungen bei.

Dennoch, in Sachen Veranlagungserfolg ist offenbar noch Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn laut der LGT-Befragung sind nur knapp 60 Prozent der Meinung, dass die Rendite von nachhaltigen Anlagen jener von traditionellen Investments entspricht. Dabei geht Finsterwald davon aus, dass "der langfristige Erfolg eines Unternehmens entscheidend davon abhängt, dass es seine Geschäftstätigkeit umwelt- und sozialverträglich betreibt". Einsparungen von Energie und anderen Ressourcen würden Kosten sparen, verantwortungsvoller Umgang mit Mitarbeitern deren Leistung steigern und Nachhaltigkeit Reputation und Marken eines Unternehmens erhöhen. "Das hilft dem Investor, seinen langfristigen Anlageerfolg positiv zu beeinflussen", sagt Finsterwald.

Für Private intransparent

Auf die Gefahr des "Greenwashing" angesprochen, räumt sie ein, dass es für Privatanleger tatsächlich schwer nachvollziehbar sei, inwiefern Unternehmen und Organisationen nachhaltig agieren. Aus Finsterwalds Sicht ist es die Aufgabe der Finanzinstitute, Transparenz und Klarheit für Kunden zu schaffen – und verweist auf das sogenannte LGT Sustainability Rating, das die Bank für Privatkunden entwickelt habe.

Zudem hat das FNG zu Wochenbeginn in Berlin einen Leitfaden veröffentlicht, der sich hauptsächlich an kleinere und mittelgroße Stiftungen, kirchliche und karitative Einrichtungen richtet. Diesen soll dadurch der Einstieg in das Thema erleichtert werden. Im Mittelpunkt des Leitfadens stehen die verschiedenen Strategien der nachhaltigen Kapitalanlage und die umfangreichen Anlagemöglichkeiten. (aha, 28.9.2017)